4 Torres – Madrids neue Skyline

[Off Barcelona]


Das ehemalige Trainingsgelände von Real Madrid wurde – vgl. dazu den letzten Beitrag – nach einem typisch spanischen Umwidmungsdeal für eine Neuüberbauung freigegeben, die volumetrisch die verschiedensten Möglichkeiten zugelassen hätte. Man entschied sich – von Ove Arup beraten, und zweifellos in der Absicht, Madrids himmelstürmende Ambitionen zu verdeutlichen – für vier je annähernd 250 Meter hohe Wolkenkratzer.

Ohne auf diese urbanistisch fragwürdige Entscheidung oder auf die nicht unbedingt erhebende Architektur der vier Bauten einzugehen, hier einige Bilder. Oben ein Blick von der Zufahrt zu Richard Rogers’ Terminal 4 des Flughafens Barajas auf die neue Stadtsilhouette. Aus ähnlichem Blickwinkel, schon stadtwärts unterwegs, eine Vorahnung der kolossalen Strukturen, mit denen nun auch dieser privilegierte airportnahe Standort zugekleckert wird: so mit der noch unvollendeten, aber schon in Betrieb genommenen »Ciudad Real Madrid«, die das einstige Trainingsgelände ersetzt, und der »Justizstadt«, an der u.a. Zaha Hadid mitwirkt.

In der Verlängerung der Castellana, von der Plaza Castilla aus gesehen, beherrscht Norman Fosters Bau (links) das Bild, von Norden her gibt I.M. Peis bulliger Glasturm den Ton an (beide hier noch im Bau).



Strukturell und formal vielleicht am interessantesten – nur schon weil sie ihre Teilung in drei Kreissegmente verbirgt und stattdessen von allen Seiten wie ein halbiertes Oval erscheint – ist die Torre SyV der spanischen Architekten Rubio & Álvarez-Sala. Foster hingegen bleibt schon fast erbärmlich hinter seinen in Hongkong oder Frankfurt realisierten Hochbauten zurück.

 

Erstaunlich fad wirkt aus dieser Höhe betrachtet das sich so ungehemmt in die Meseta ausbreitende Madrid. Selbst die Flucht der Castellana (links zwischen den schiefen KIO-Türmen, einem unverzeihlichen Spätwerk von Philip Johnson) entbehrt aller Grandezza.

Gläserner Kommunikations-Konvent

[Off Barcelona]


Rafael de la Hoz' geheimnisvolle Raumgeometrien für Telefónica in Madrid

Madrids rasante Entwicklung hat gerade im privilegierten Norden diffuse, von der Spekulation verunstaltete Stadträume hervorgebracht. In dieser in Autobahnschlingen erstickenden Peripherie liegt in sich gekehrt, eine gläserne Insel, der weitläufige neue Firmensitz des Kommunikationskonzerns Telefónica.

Laut der Rating-Agentur Standard & Poor's nimmt Madrid unter den Schaltzentren der Weltwirtschaft heute den sechsten Rang ein. Die geballte Finanzmacht hat auch im Stadtbild ihre Spuren hinterlassen, zumal Spaniens Wachstum stark auf der boomenden, nun ihren absehbaren Einbruch erleidenden Bauwirtschaft basierte. Für die vier jüngst vollendeten, je knapp 250 Meter hohen Wolkenkratzer im Madrider Norden zeichnen so renommierte Firmen wie Norman Foster (rechts) und Pei Cobb Freed verantwortlich. In formaler Hinsicht interessanter ist der einzige von einem spanischen Architekten, Carlos Rubio, projektierte Turm; von routinierter Eleganz jener Cesar Pellis (unten links). Den Deal eingefädelt hatte der Bauunternehmer und einstige Präsident des Fussballvereins Real Madrid, Florentino Pérez. Dem Klub trug er durch die Umwidmung und den Verkauf seines Trainingsgeländes über 500 Millionen Euro ein. Acht Jahre später gehören die «galaktischen» Fussballer Figo, Ronaldo, Zidane und Beckham, erste Aktivposten dieses Geschäfts, zum Alteisen, indes die vier stählernen Recken die Madrider Skyline noch auf lange Sicht dominieren werden. (Mehr dazu in Kürze.)

Ungewisser ist ihr kommerzieller Erfolg – Madrids Bedarf an Büroflächen ist gedeckt, und nur bei Rubios Bau wurde eine partielle Hotelnutzung vorgesehen. Für viele Unternehmen scheint Höhe als Statussymbol ausgedient zu haben, gelten am Bau ablesbare Hierarchien nicht mehr als repräsentativ. So plant BBVA, Spaniens zweitgrösste Bank, den Verkauf des 1971 von Saenz de Oiza entworfenen, bis heute elegantesten Madrider Hochhauses, um ihren Hauptsitz aus dem 107 Meter hohen Glasturm an der Castellana in die Peripherie zu verlegen – wie vor ihr schon der Banco Santander.

 

Spaniens expansionsfreudigstes Finanzinstitut liess sich vom US-Postmodernisten Kevin Roche 15 Kilometer vor der Stadt eine ganze Konzernsiedlung inklusive Golfplatz errichten. Inzwischen ist die Bank, die klugerweise kurz vor dem Platzen der Immobilienblase sämtliche Liegenschaften abgestosssen hat, hier zur Miete untergebracht.

In die Breite statt in die Höhe strebt auch der in diesem Frühjahr bezogene Distrito C von Telefónica. Organisatorisch basieren beide Cluster auf einem ähnlichen Konzept, in architektonischer Hinsicht hingegen trennen sie Welten. Der einstige Staatsbetrieb, seit seiner Privatisierung zum Weltkonzern aufgestiegen, sah sich bei der Planung des neuen Firmensitzes durch das eigene bauliche Erbe herausgefordert. Das von Ignacio de Cárdenas entworfene Edificio Telefónica, 1927 für kurze Zeit Europas höchster Bau, schliesst das erste Teilstück der Gran Vía triumphal ab, deren neobarocken Prunk es nicht verleugnet, jedoch der imposanten, an amerikanischen Vorbildern orientierten Struktur unterordnet.

Um sämtliche Madrider Abteilungen mit ihren 12'000 Mitarbeitern unter einem Dach zu vereinen, wählte Telefónica ein Grundstück in der Überbauung Las Tablas. Das längliche Rechteck, mit 18 Hektaren so gross wie der Tiananmen-Platz, wird von vier würfelförmigen Ecktürmen gefasst, die der Anlage aus der Ferne etwas Wehrhaftes verleihen – myteriöse Festung in diffuser Umgebung, fremdartig gerade durch die Klarheit ihrer Konturen. Dem hermetischen Anschein zutrotz erweist sich indessen ihre Durchlässigkeit als Grundmerkmal. Um die vier elfgeschossigen Turmbauten öffnen sich, durch ihre unterschiedliche Gliederung charakterisiert, ebensoviele Zugangsbereiche; und längsseits – stadtseitig – lädt ein fünfter, der Haupteingang, unter dem Direktionsgebäude hindurch ins Innere des Gevierts. Wie eine Pforte in eine andere Welt gibt diese präzis gerahmte Passage den Blick auf das nun erst seinen eigentlichen Reichtum entfaltende Ensemble frei.


Im weitläufigen Innenhof, Staffelung sich verschränkender Flächen, bildet der Teich in der Mitte den ruhenden Pol. Ebenso sind die elf drei- bis siebengeschossigen Baukörper, die die Parkanlage seitlich umschliessen, Elemente einer zugleich heterogenen und unitären Ordnung. So differenziert sie bestimmte funktionale Anforderungen erfüllen, so leicht fügen sie sich in die übergeordnete Geometrie: Fragmente eines in sich geschlossenen Ganzen, zusammengehalten durch die grosse architektonische Geste des das ganze Geviert umlaufenden Flugdachs – Widerspiel der Wasserfläche und nebenbei Europas grösste in ein Gebäude integrierte photovoltaische Anlage.



Dieses einen Kilometer lange schwebende Band bewirkt, indem es auch die zwischen den niedrigeren Bauten und den Ecktürmen sich öffnenden Plätze und versenkten Patios überkragt und diese durch monumentale Himmelfenster in Licht und Schatten taucht, erst die räumliche Verzauberung, die in der Verschränkung der Volumen vorgebildet ist. Wenn der Distrito C sich durch seine kastellartige Erscheinung von der unansehnlichen Umgebung abschottet, um dann desto lieblicher zum Verweilen in seinem Patio zu verlocken, so wird man auf der promenade architecturale zunehmend durch etwas anderes in Bann gezogen. Trotz seinen ganz andern Dimensionen, und obwohl durchwandelt von an ihren Handys hängenden Konzerndienern, wirkt er geheimnisvoll wie ein mittelalterliches Kloster.

  Rafael de la Hoz – Sohn des gleichnamigen, aus Córdoba stammenden Architekten, dessen Renommee er nicht erst mit diesem Meisterstück gerecht wird – hat solch klösterliche Reminiszenzen bewusst gesucht. Die innere Organisation der 400 000 Quadratmeter Nutzfläche kann hier nur gestreift werden. Sie ist gleichfalls ökologischen Grundsätzen und der einem Kommunikationskonzern gebührenden Flexibilität und Transparenz verpflichet, zumal die meisten Mitarbeiter höchstens die Hälfte ihrer Zeit an ihren angestammten Arbeitsplätzen verbringen. 

   

Es ist eine vollkommen gläserne Welt, in der sie sich bewegen. Denn mehr noch als das Flugdach verleiht das modulare, aus 4x2 Meter messenden Scheiben gebildete Fassadensystem der Anlage ihren einheitlichen Charakter. Der Baustoff Glas wird dabei in verschiedenen Beschaffenheiten verwendet. Die doppelte Haut kombiniert transparente mit eigens für dieses Projekt entwickelten serigrafierten – und daher von aussen opak erscheinenden – Elementen, während die obsessiv quer dazu auskragenden Brisesoleis fast immateriell wirken. Die Nuancen der Lichtbrechungen, die so im Lauf des Tages das Geviert umspielen, sind von höchstem ästhetischen Reiz.

Mit diesem von Glas und nichts als Glas umschlossenen Gartenhof hat Madrid einen seiner schönsten Aussenräume gewonnen. An Wochenenden wird er denn auch von den in dieser Hinsicht nicht verwöhnten Anwohnern aufgesucht, ist er doch im Gegensatz zum Banco-Santander-Komplex öffentlich zugänglich und mit der Metrostation «Ronda de la Comunicación» ans öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen. Kein Golfplatz hier, aber Cafeterias, Läden, ein Fitnesscenter und die in die Ecktürme geschnittenen Terrassen tragen zum urbanen Charakter bei, den die Umgebung schmerzlich vermissen lässt. Auch die ferne Silhouette der vier neuen Wolkenkratzer mutet, aus dem Schatten des Flugdachs betrachtet, eher als monströser Auswuchs einer Metropole an, vor deren Gefrässigkeit nur noch solche Klosteranlagen für Digitalmönche Schutz bieten.


Pelli in Sevilla

[Off Barcelona]
Sehr originell: seinen für Bilbao (165 Meter hoch) geplanten und in Madrid (249 Meter) bereits im Bau befindlichen Glastürmen kann der mittlerweile 80-jährige Cesar Pelli nun noch ein drittes spanisches Projekt hinzufügen, und zwar in der andalusischen Hauptstadt. Zum Hauptsitz der zur Cajasol fusionierenden grossen andalusischen Sparkassen bestimmt, soll das im Grundriss elliptische Gebäude 178 Meter hoch werden und zweifellos die Rolle Sevillas als andalusische Wirtschaftsmetropole (die ihm Málaga streitig macht) unterstreichen. Gebaut wird am südlichen Ende der Isla de la Cartuja, mithin nur etwas über einen Kilometer Luftlinie von der 97 Meter hohen Giralda entfernt, der bisherigen vertikalen Landmark der Stadt.

Das neue Stadion des Valencia C.F.

[Off Barcelona]
Valencia war noch nie eine Gelegenheit für ein kleines Feuerwerk zu schade. Vermutlich ist auf dem ganzen Erdball keine zweite Stadt so knatter- und so funkelsüchtig, und auch die Präsentation des Projekts für das neue Fussballstadion wurde letzte Woche laut der Agentur EFE «durch die von dem hochgeschätzten Pyrotechniker Vicente Caballer abgefeuerten Lichtschlösser» abgerundet.

Nicht ganz so ungetrübt ist die Vorgeschichte zu diesem 75 000 Zuschauer fassenden Stadionneubau. Kurioserweise zeichnet, wie bei dem in der barcelonesischen Vorstadt Cornellà nun im Bau begriffenen Stadion des R.C.D. Espanyol Barcelona, auch hier das Studio Reid-Fenwick für die Architektur verantwortlich, erneut zusammen mit den Ingenieuren von Arup.

On Site – Madrider Aperçus

[Off Barcelona]

Fabelhaft, aus dem Flugzeug gesehen, wie die AVE-Trasse in weitem Bogen aus dem Hinterland nach Tarragona hinunter sich schwingt. Noch imposanter dann die neue Skyline Madrids. Später, als endlich die Sonne durchbrach, an der Plaza del Sol dieses Bild:

An Spaniens Km 0 entsteht ein weiterer grosser U- und S-Bahn-Knoten – überflüssigerweise, meinen einige, denn Madrids öffentliches Nahverkehrsnetz ist mit solchen unterirdischen Bahnhöfen schon reichlich gespickt. Das Baulos erstreckt sich auch auf die umliegenden Strassen. Über der für ihren Strassenstrich berühmten Calle Montera (unten links im Bild) schwebt nun drohlich ein enormes Zementsilo. Wie hier unlängst erwähnt, hat der katalanische Künstler Antoni Abad die Montera-Mädels technologisch so ausgerüstet, dass sie im Netz über ihre Lebensumstände berichten können. Ob sie auch die Endzeitstimmung in ihrem Revier schon eingefangen haben? Hier nochmals der betreffende Link.



Auch die klassische Calle Arenal wird gerade zur Fussgängerzone umgestaltet, mit einer rosa und grauen Kitschpflästerung, typisch für Madrids Strassengestaltung, wie man aus barcelonesischer Sicht hämisch anmerken kann.

Ich machte mich dann auf, einige möglichst erlesene Ausstellungen zu besuchen. Die spanischen Stillleben im Prado waren leider noch nicht eröffnet. Im Círculo de Bellas Artes: Henri Michaux, der einen immer so schön schwindlig spielt; und in den Vitrinen zahlreiche Originalbriefe. Von dem ewigen Jean Arp, gleichenorts, interessierte mich nur ein seltsames Blatt mit Photoübermalungen. Dann wollte ich in der Real Academia de San Fernando ein paar Goya-Postkarten kaufen – das wunderbare Villanueva-Portrait, das Selbstportrait vor der Staffelei und das Irrenhaus –, aber der uralte Kartenständer beim Eingang war durch einen enormen, dort zwischengeparkten Gipsabguss verstellt. Ich drängte mich trotzdem vorbei, wurde jedoch von der Dame im Kassenhäuschen zurückgepfiffen, was zu einer überaus charmanten Diskussion führte. Ah, so mochte ich mein Madrid wieder!

In der Galerie Helga de Alvear suchte ich bei den oben rechts zu sehenden Malereien von Katharina Grosse vor dem Regen Zuflucht.

Dann in den Botanischen Garten, in dem die Hinweisschilder auf die Ausstellung On-Site ein wenig aufsässig wirkten. Sie findet im Villanueva-Pavillon statt, und der ist von den Ausstellungsarchitekten seinerseits äusserlich verunstaltet worden. Diese Schau zeitgenössischer spanischer Architektur war zuvor in New York zu sehen gewesen; Terence Rileys gab damit seine Abschiedsvorstellung als Leiter der MoMA-Architekturabteilung. Verständlicherweise wurde dadurch das spanische Ehrgefühl gehoben; ebenso verständlich sind mir nun aber auch die teils harschen Kritiken.

Trivialer kann man die spanische Baugegenwart kaum darstellen: als Ansammlung architektonischer Konsumobjekte. Es sind ein paar Dutzend Projekte in- wie ausländischer Starentwerfer, teils fertiggebaut, teils erst geplant, zusammengelesen auf der Kuhhaut Spanien (wenn ich die piel de toro, mit der der Umriss des Landes gern verglichen wird, mal so nennen darf). Keinerlei historische Vertiefung, nicht die Spur eines Versuchs, Zusammenhänge zu erklären. Ein Bestiarium von Prestigebauten, vorgeführt ausschliesslich anhand von Modellen sowie auf leuchtenden Grossaufnahmen; ein Minimum an Zusatzinformation gibt’s auf Bildschirmen. Unten links ein Modell von Morphosis für eine Wohnüberbauung im Madrider Aussenbezirk Carabanchel.

Anscheinend übernahm die Comunidad de Madrid die Ausstellung hauptsächlich, um sich in zahlreichen Nebenveranstaltungen noch ein bisschen mit eigenen architektonischen Lorbeeren zu schmücken bzw. Heldenstücken zu brüsten. Weiterführende Informationen sind jedoch weder auf der Website der Stadt noch jener der Comunidad zu finden.

Zuletzt noch ein Blick auf die Baufortschritte des dem Botanischen Garten gegenüberliegenden CaixaForum von Herzog & de Meuron: aha, Corten-Quadrate über den kompakten Ziegelmauern des alten Kraftwerks. Das Erdgeschoss ist jetzt schon als künftiges, offenes Foyer zu erkennen.


Neue Skyline im Madrider Norden

[Off Barcelona]


Nur aus der Ferne gesichtet, auf der Fahrt vom Terminal 4 in die Stadt: die neue Madrider Skyline von der Plaza de Castilla nordwärts. Links die einst nach dem kuwaitischen Investor als KIO-Towers bekannten schiefen Zwillinge, einer der letzten und schlechtesten Entwürfe von Philip Johnson.
Rechts, jetzt schon wesentlich höher, die im Bau befindlichen Wolkenkratzer auf dem einstigen Trainingsgelände von Real Madrid. Aus dem Erlös für dieses Grundstück konnte sich der Club dann u.a. seine galaktischen Spieler Figo, Ronaldo, Zidane, Beckham usw. leisten. Hier entstehen vier etwa 220 Meter hohe Türme, u.a. von Cesar Pelli und Norman Foster. Den Koloss rechts glaube ich als die Torre Espacio zu identifizieren, die aus der Küche Pei Cobb Freed & Partners stammt; ausführender Architekt ist der Spanier José Bruguera. Anfang September brach im 43. Geschoss ein Feuer aus, das die solche Höhen nicht gewohnten Madrider Feuerwehrleute offenbar arg ins Schwitzen brachte.

Carme Pinós – Cutie’s Cube

[Off Barcelona]
Man wird mich zweifellos des schwerenöterischen Machogehabes bezichtigen, wenn ich sage, Carme Pinós sei Barcelonas schönste, wunderschönste Architektin. Ich habe sie vor Jahren in der Gimlet Bar kennengelernt, traf sie dann irgendwo im entlegensten Hinterland von Alicante. Petrer, so hiess das Kaff, wo sie eine Fussgängerpasserelle über ein ausgetrocknetes Flussbett baute. Es war aber leider nicht so romantisch, wie es klingt.

Ich kenne auch ihr Büro, Ecke Vía Augusta/Diagonal. Eine hochherrschaftlichere Adresse kann man sich schwerlich denken. Ein Wahnsinnsapartment in einem Gründerzeitbau, die Korridore so breit wie anderswo die Zimmer. Ihre Wohnung hat sie auf demselben Geschoss – ich habe sie natürlich nicht zu Gesicht bekommen.

Carme Pinós war Enric Miralles’ erste Partnerin (wie konnte er sie nur verlassen? Ah... vielleicht war’s ja sie) und projektierte mit ihm von 1982 bis 1991 einige seiner fabelhaftesten Bauten. Namentlich bei der Escuela Hogar in Morella, aber auch beim Friedhof Igualada (wo Miralles begraben liegt) steht ihr Einfluss ausser Zweifel. Dann startete sie allein eine neue Karriere. Das ging lange eher harzig (Passerellen in der Wüste), aber unlängst gewann sie gegen zwanzig Rivalen den Wettbewerb für die Neugestaltung der Plaça de la Gardunya (hinter der Boquería, inbegriffen ein Neubau für die Kunstschule La Massana), ein Projekt, auf das hier bei höherem Kenntnisstand zurückzukommen ist. Derzeit ist auch ihre Website gerade im Umbau.



Letztes Jahr konnte Carme Pinós in Guadalajara (Mexiko) ihr bisher wichtigstes Einzelprojekt vollenden, die 13-geschossige Torre Cube. Schon fast ein Wahrzeichen der 4-Millionen-Stadt. Es entwickelt sich um drei Erschliessungskerne aus Stahlbeton, die zugleich die tragende Struktur bilden, von der die Geschosse auskragen. Durch die Lücken der fehlenden Geschossflügel fällt Licht in das leere, offene Zentrum des Gebäudes, zugleich kommen sie seiner natürlichen Belüftung zustatten – eines der Anliegen der Architektin.



Gehrys zerzaustes Château für den Marqués de Riscal

[Off Barcelona]


Meine Themenliste quillt über, aber ich mach mir’s möglichst einfach und gebe hier zunächst von einer eher pompösen als aufregenden Eröffnung im Baskenland Kunde: In Elciego, Provinz Álava, die als Weinbaugebiet der denominación de origen La Rioja zugerechnet wird, hat Frank Gehry für Marqués de Riscal ein Luxushotel gebaut, das sich die Kellerei 70 Millionen Euro kosten liess. Schon vor Gehry haben Rafael Moneo (für Chivite) und Santiago Calatrava (für Ysios) Weingüter in Navarra bzw. La Rioja entworfen. Ohne das Gebäude gesehen zu haben, hat man von den Photos her den Eindruck, im Grunde handle es sich – nicht viel anders als beim nahen Guggenheim Bilbao – um einen räumlich nicht besonders inspirierten Bau, dem nur die hier vollends als Drapierung wirkenden zart getönten Titansegel das gewisse Etwas verleihen: eine «wunderbare Kreatur mit in alle Richtungen fliegendem Haar», so beschreibt sie ihr Schöpfer.

Demnächst kommt hier übrigens der Film in die Kinos, den Gehrys Freund Sidney Pollack über ihn gedreht hat, Sketches of Frank Gehry betitelt. Eva Hagberg zerreisst ihn in ihrem Blog als «another notch on the headboard of the Frank Gehry lovers, another point for the grandfatherly schlub schtick, and--sadly--a big lost opportunity to finally explain the mysteries of architecture».

Neapel sterben sehen

[Off Barcelona]


Stippvisite in Zürich, danach fünf Tage in Neapel. In Zürich endete der Reigen der schönen Festlichkeiten – gracias, amigos – in der Trübnis einer Alphütte im Niederdorf, wo Lambada getanzt wurde. Gewaltiger aber war der Zeitsturz, der Kulturschock, in Neapel. Zufällig gab dem die Zeitschrift L’Espresso in derselben Woche in Balkenlettern gar reisserisch Ausdruck: NAPOLI PERDUTA. Das Heft war in der Stadt natürlich sofort ausverkauft. Ich konnte später in Rom noch ein Exemplar ergattern; den betreffenden Artikeln war freilich nicht viel mehr zu entnehmen, als dass das Rauben und Morden in Neapel hemmungsloser denn je betrieben wird, dass die Politiker dagegen Investitionen, neue U-Bahn-Linien versprechen, usw.

Ich war seit 1980 nicht mehr in der Stadt gewesen. Damals hatte mich die Wildheit Neapels in eine ebenso wilde Begeisterung versetzt. Diesmal sah ich es leider etwas gelassener. Wir waren im Palazzo Marigniano einquartiert, an jener schmalen, Spaccanapoli genannten Achse, welche die Altstadt vom Fuss des Vomero fast bis zum Bahnhof schnurgerade durchläuft. Ein halbes Stockwerk dieses Palastes wird heute von Nathalie de Saint-Phalle, einer Nichte der Künstlerin, an kunstsinnige Menschen ausgemietet. Vom fünf Meter hohen Salon bis in den letzten Winkel ist dieses Appartement mit Kunstobjekten angefüllt, vielmehr zugestopft. Ich muss gestehen, dass meine Verträglichkeitsgrenze für Kunst dadurch klar überschritten wurde, und dass ich über diese Kunstentfaltung, vielmehr -verstopfung möglichst hinwegsah. Unser Zimmer gehörte genau genommen schon nicht mehr zum Palast: es war einer jener typischen An- und Aufbauten, die aus Neapels Altstadt ein steinernes Palimpsest machen. Von dem Zimmer zweigte ein Korridor ab, der linkerhand die grosse Terrasse auf dem Dach des Nachbarhauses säumt, wo man frühstücken oder den Vollmond betrachten konnte. Seltsamerweise führt dieser Korridor nirgendwohin – bloss zu einem Fenster, das sich rechterhand auf den Innenraum einer kleinen Barockkirche öffnet. Von aussen war dann zu erkennen, dass der Korridor eigentlich eine Galerie im Innern der Kirche selbst ist.

Vor 26 Jahren, bei meinem ersten Besuch, war mir die Regellosigkeit Neapels wie eine Verheissung erschienen: diese respektlose, aller Musealität spottende Nutz- und Niessnehmung des steinernen Erbes. Neapolitanisches Leben: ein Zeitraffer, der ganze Zeitschichten ins Jetzt katapultiert. Seither aber bin ich durch eine andere Schule gegangen, die Barcelonas, und der Vergleich dieser beiden grossen Mittelmeerstädte ist verstörend. Als sei Barcelona das neue Neapel geworden, jenes «von Teufeln bewohnte Paradies», das Neapelreisende einst in der herrlichen Bucht vorfanden. In Neapel – lange Europas drittgrösste Stadt nach London und Paris – wurde im 17. und 18. Jahrhundert ja sozusagen der Städtetourismus erfunden, und zur Grand Tour gehörte das gelegentliche Erschaudern vor fremden Sitten und Lebewelten, genauso wie heutige Stadtkonsumenten auf derlei Kitzel nicht verzichten möchten. Das prekäre Gleichgewicht von Zerfall und Erneuerung aber, das Neapel und Barcelona vor einem Vierteljahrhundert – kurz vor dem verheerenden Erdbeben in Kampanien – noch auf zumindest vergleichbare Manier zu halten schienen, ist heute weder hier noch dort mehr gegeben. Neapel, seither ganz dem Zerfall preisgegeben, derweil sich Barcelona zum urbanen Musterknaben getrimmt hat. Einmal mehr scheint die Geschichte der beiden Städte in entgegengesetzter Richtung zu verlaufen. Zu deren Ironie gehört es nämlich, dass das 15. Jahrhundert unter katalanischer und die beiden folgenden unter spanischer Herrschaft zu den glänzendsten und turbulentesten Neapels zählen, während Barcelonas Niedergang nie ausgeprägter war als eben im 16. und 17. Jahrhundert.

Aufstieg und Niedergang einer Stadt: Hängt die Heftigkeit, mit der man sich veranlasst fühlt, über sie zu schwärmen oder zu meckern, eventuell direkt damit zusammen? Schon jene Bildungsreisenden, die in Postkutschen anreisten, nach glücklicher Durchquerung der Pontinischen Sümpfe und gewöhnlich noch vollgesogen mit den römischen Baudenkmälern, erlebten das wüste Getümmel Neapels als ebenso irritierend wie unwiderstehlich. Da wir heute praktisch denselben Zwiespalt empfinden, wäre zu folgern, eben ihre Unbezähmbarkeit sei die Essenz der Stadt. Jeder Ordnungs- und Zivilisierungsversuch müsste ihr zugleich ihre Reize austreiben. In der Praxis freilich werden die Nerven über das zuträgliche Mass strapaziert. Schon der Taxifahrer, der uns vom Bahnhof zum Palazzo Marignano brachte, war für erste Adrenalinschübe gut. Ein netter, gesprächiger Mensch (im Gegensatz zu vielen andern Neapolitanern, die sich Ausländern gegenüber oft unwirsch oder verstockt zeigen), wies er uns stolz auf den Corso Umberto hin: Neapals Prachtstrasse, deren Trottoirs nur leider jeden Flaneur augenblicklich die Flucht ergreifen lassen. Von hier zweigte er in die engen Gassen Richtung Spaccanapoli ab, durch Einbahnstrassen in Gegenrichtung mit bestechender Selbstverständlichkeit kurvend. Und schon waren wir da – 10 Euro für die Dreiminutenfahrt, den Taxameter hatte er nicht eingeschaltet.

Taxis ohne Taxameter, Postbüros ohne Briefkästen, Geldautomaten reihenweise ausser Betrieb. Im Museo Archeologico Nazionale die meisten Säle mangels Personal geschlossen. Auf ausdrückliche Nachfrage wird einem eine unleserliche Photokopie in die Hand gedrückt, die einen durch das trostlos verkommene Labyrinth leiten soll; später möchte man noch um einen Staubsauger bitten, um die Flusen wegzupusten, die sich offenbar seit Jahrzehnten in dem prächtigen, aus dem späten 19. Jahrhundert stammenden Modell von Pompeji angesammelt haben. Ist einer solchen Stadt noch zu helfen? Wir einigten uns auf den Namen Troglodyten, wenn wir uns auf ihre Bewohner bezogen. Die verdankten es uns, indem sie jeden Gang durch die Stadt zum Spiessrutenlaufen machten. Durch Neapel gehen heisst, sich bei jedem zweiten Schritt vor einem durch die Fussgängerzone preschenden Motorrad retten. Nur um sich beim nächsten Schritt an einem Auto vorbeizwängen zu müssen, das sich da auf dem Trottoir – oder was immer von der Strasse übrigbleibt – breitgemacht hat. «Es gibt keine Lösung, weil es kein Problem gibt», hat Duchamp gesagt. Ein Satz, wie geschaffen für Napoli. Und es ist ja auch kein Problem, dass all die stattlichen Höfe all der stattlichen Altstadtpaläste von Autos vollgestellt sind. Aber ein bisschen schade ist es doch.

Es geht also um den Gebrauch bzw. Missbrauch des öffentlichen Raums. Der in Neapel grundsätzlich nicht vom Privatraum unterschieden wird bzw. fliessend in diesen übergeht. Vielmehr: der Privatraum ergiesst sich in den öffentlichen Raum. Diese Sphäre der Durchmischung macht seit jeher Neapels Charme (ein unpassendes Wort: Reiz ist besser) aus. An dieser Schnittstelle brodelt Neapel; oder es schmachtet, vergeht an sich und vergeht sich an sich. Wie die Neapolitaner ihre Parterrewohnungen durch Vordächer, darunter die Wäschleinen gespannt sind, in die schmale Gasse hinaus erweitern; manchmal aber auch durch eigentliche Vorbauten, kleine Gärtchen oder Terrassen: das ist entzückend, aber natürlich ist es auch eine unverschämte, offensichtlich geduldete Usurpation des öffentlichen Raums. Mehr noch gilt dies für all die Marketender (ein treffliches Wort: Neapel ist der permanente Kriegszustand), die mit ihren Ständen den ohnehin knappen Raum in einen Hindernisparcours verwandeln.

Zumal da gar kein Platz ist, um Touristenmassen herumzuschleusen, wird Neapel vorläufig verschont bleiben vom Schicksal, das sich gerade Barcelona willentlich aufgebürdet hat. Und allerdings: für den Städtekonsumenten heutiger Prägung bietet es wenig. Kein Nachtleben; schon abends um zehn alles tot, bis auf ein paar einzelne Knatterer und die drei oder vier Strassencafés an der Piazza Bellini, die es nur dank einer Bürgerbewegung gibt, die darauf beharrte, dieser Platz tauge zu etwas Bessserem denn bloss als Abstellfläche für fahrbare Blechhaufen.

Wir fuhren nach Pompeji, mit einem Zwischenhalt in Oplontis. Keine Air Condition in dem Vorortszug natürlich, der ältesten Bahnlinie Italiens übrigens: der Circumvesuviana (die 1839 für die Bedürfnisse des Tourismus eingerichtet wurde, nicht für die der Neapolitaner). Die Villa Poppaea, benannt nach der Gattin Neros, erst ab 1964 ausgegraben, taucht den Besucher in ein hedonistisches Wohnideal, zu dem es kaum einen krasseren Gegegsatz als seine heutige Umgebung gibt. Torre Annunziata heisst der Ort. Einige der besten Spaghettifabriken des Landes (Setaro) befinden sich hier, auch ein luxuriöses Spa soll es geben, und bei Goethe liest man: «Wir aßen zu Torre dell' Annunziata, zunächst des Meeres tafelnd. Der Tag war höchst schön, die Aussicht nach Castell a Mare und Sorrent nah und köstlich. Die Gesellschaft fühlte sich so recht an ihrem Wohnplatz, einige meinten, es müsse ohne den Anblick des Meers doch gar nicht zu leben sein. Mir ist schon genug, daß ich das Bild in der Seele habe, und mag nun wohl gelegentlich wieder in das Bergland zurüchkehren.»

Goethe müsste aus Torre dell’ Annunziata heute nüchternen Magens wieder abreisen. Nach dem Besuch von Oplontis streunten wir in der Mittagshitze durch den zur typischen neapolitanischen Vorstadt verwucherten Ort, der Hauptstrasse entlang zunächst (wo der Fussgänger zu fortgesetzten Ausweichmanövern auf die vielbefahrene Chaussee gezwungen ist) und hinunter zur Piazza, die sein Zentrum bildet. Doch alles Suchen, alles Fragen, zuletzt bei einem Carabinieri-Paar, das die Aussagen eines (achtung: Zungenbrecher!) Kehlkopfkrebs-Krächzers übersetzte, war vergeblich: es gibt in diesem elenden Häuserhaufen nicht eine Spelunke, wo ein Teller Spaghetti oder auch nur ein belegtes Brötchen zu haben wäre. Man könnte in Torre Annunziata ohne weiteres verdursten, denn auch der einzige öffentliche Brunnen war versiegt.

Das ganze Elend Neapels wurde auf dieser Vorstadtwanderung fassbar. Denn zweifellos ist diese verwahrloste Suburbia, ebenso wie der ruinöse Zustand der Altstadt, das Ergebnis der Preisgabe der Stadt an die Mafia. Wer sonst hätte so lieblos, planlos, erbarmungslos die Küste verschandelt, die einst als die schönste der Welt galt. Ich dachte zurück an Barcelonas ebenso schnell gewachsene Vorstädte, und der Kontrast erschien fast noch krasser als jener zwischen den beiden Stadtzentren. In jeder vergleichbaren barcelonesischen Vorstadt hätte man sich auf demselben Weg in mindestens drei Speiserestaurants und in zwanzig oder dreissig Bars verköstigen können. Breite Trottoirs und modern gestaltete Plätze, wohl auch Pärke, von Menschen belebt, hätten zur Anschauung gebracht, wie Barcelonas Stadtdesign in die Umgebung ausstrahlt. Nichts dergleichen hier: eine einzige urbane Ödnis unter der Silhouette des Vesuvs.

Auch der Corso Umberto, die Via Toledo, die Via Chiaia halten dem Vergleich mit Barcelonas Avenuen nicht stand: verkommene Kommerzschneisen. Ein wenig Stil haben noch die Via Scarlatti auf dem Vomero und die Via Santa Lucia bewahrt – da gibt es sogar zwei oder drei Bars, exotische Einsprengsel in dieser Stadt. «Gäbe es bloss auf jede zehnte Kirche ein Kaffeehaus», seufzte ich einmal. Auf der Terrasse des Palazzo Marigniano machte ich die Bekanntschaft einer franzöischen Opernregisseurin, die sich jetzt in Neapel ansiedeln will – fern des Zentrums auf dem Posillipo. «Da kann man in Ruhe arbeiten. Verliert seine Zeit und sein Geld nicht mit Einkäufen von Modeschabernack, den es in Neapel schlicht nicht gibt.» Gern hätte ich von Juliette, so hiess sie, noch Näheres über ihre Berückung durch die Stadt erfahren. Sie muss damit zusammenhängen, dass zwischen all dem Schrott ja all die zauberhaften Orte weiterexisiteren – die Certosa, San Gregorio Armeno, geheime Buchten... –, die Gebildete seit Jahrhunderten fast so abheben lassen, wie es der Cristo velato in der Cappella Sansevero vor unsern ungläubigen Augen zu tun scheint. Aus seinem tausendfach gefältelten Schweisstuch könnte man vielleicht – so boshaft wie ehrfürchtig – ein Sinnbild für ganz Neapel herauslesen. (Zu schweigen von der unverschämten Pudicizia, die ihn flankiert, und von den myteriösen anatomischen Maschinen in der Krypta dieser fabelhaften Kapelle.)

Hier noch ein Bild einer ganz schön spiessigen neapolitanischen Hochzeit, mehr schöne Aufnahmen in dieser Galerie.

Valencia: gar viel Oper, gar viel Regatten, gar wenig Metro-Sicherheit

[Off Barcelona]
Das U-Bahn-Unglück vom 3. Juli, das 42 Todesopfer gefordert hat, lässt die valencianische Stadt- und Regionalregierung – beide in den Händen des Partido Popular – in einem ziemlich schiefen Licht erscheinen. Die PP-Politiker sträuben sich denn auch gegen die Schaffung einer unabhängigen Untersuchungskommission zur Klärung der Unfallursachen. Die Linie 1, auf welcher der Konvoy entgleiste, ist bei den Benutzern offenbar als die «línea de los chirridos» bekannt, als Quietsch- oder Kreischlinie, deren Modernisierung und sicherheitstechnische Nachrüstung die Gewerkschaften seit Jahren gefordert haben. Anders als praktisch sämtliche andern Metro-Linien in Spanien verfügt sie über kein ATP-System (Automatic Train Protection), das den mit 80 Stundenkilometern in die als gefährlich bekannte Kurve einbiegenden Zug automatisch gebremst hätte. Weniger knausrig zeigte man sich in Valencia beim Bau der unsäglichen Ciudad de las Artes y las Ciencias oder bei Events wie dem just dieses Wochenende mit dem Papstbesuch zu Ende gehenden Weltfamilientreffen, und mit grosser Kelle angerichtet wird selbstverständlich auch bei den Vorbereitungen auf den America’s Cup 2007.
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