|  2009-01-30
Das Museu d’Història de Barcelona verlängert die seit Monaten laufende Ausstellung »Barraquismo – La ciudad informal« bis am 26. April. In Shanties, Bidonvilles, Hüttenvierteln lebten im 20.Jahrhundert zeitweilig weit über 100'000 Barcelonesen. Im Somorrostro am Strand, in der Perona (so genannt, weil Eva Perón dem Elendsviertel einst einen Besuch abgestattet hatte) oder in hügeligen Gegenden wie dem Carmelo fanden Unzählige ihre erste barcelonesische Behausung. Die materialreiche Ausstellung zeigt eindrücklich, wie einfallsreich sich die mittellosen Einwanderer zu organisieren verstanden – untenstehend ein Plan der gemeinschaftlichen Einrichtungen auf dem einst fast vollständig von Hütten überzogenen Montjuïc –, bevor sie von der franquistischen Oberheit in die Plattenbauten verpflanzt wurden, die heute viele Randgebiete der Stadt kennzeichnen. Die Website zur Ausstellung bietet nähere Informationen.

2006-12-19  Kurz noch zwei Hinweise auf Ausstellungen: Das Macba zeigt neben der Retrospektive von Palazuelo (die ich noch nicht gesehen habe) die diesem formal nicht unverwandte, 1912 in Hamburg geborene, aber nach ihrer Emigration nach Venezuela 1939 zu einer der wichtigsten Künstlerinnen Südamerikas gewordene Gego. Näheres auf der Website des Museums.
 Und die Virreina macht auf selten eindrückliche Art das Drama des Spanischen Bürgerkriegs mit dem Werk des Photographen Agustí Centelles (1909-1985) lebendig. Centelles rettete 1939 Tausende von Negativen über die Grenze nach Frankreich. Sie kamen erst 1975 wieder zum Vorschein. Die Ausstellung dokumentiert erstmals Centelles’ Werdegang, von den Photoreportagen der Vorkriegsjahre über sein Exil bis zur Werbephotographie (Chupa-Chups zum Beispiel) seiner Spätzeit. Im Mittelpunkt stehen indessen die Kriegsjahre 1936-39.
Und da wir gerade bei Baustellen sind, hier ein Bild aus der Gegend des Barceloneser Forums, gemalt von Martin Fivian, der zur Zeit in der Berner Galerie Krebs ausstellt. Auf seiner Website finden sich übrigens noch weitere barcelonesische Sujets.
 2006-11-24  Da wir gerade bei Messen waren (s. den vorherigen Eintrag): auf dem Weg zur Fragonard-Ausstellung im CaixaForum habe ich in der alten Messehalle 8 einen Blick in die Ausstellung BCNFUTUR geworfen, auch Salón internacional de lo último genannt – des Letzten mithin. Ob vor dem Weltuntergang oder eher im Sinn von «das ist nun wirklich das Letzte», sei dahingestellt. Viel zu sehen gab es da ehrlich gesagt nicht; schwarzen Bacalao aus Alaska und Golfplätze Tokyo Style und eine Menge Massagesessel, in deren einen ich mich legte und mir eine Weile den Rücken maschinell bearbeiten liess. Ich machte noch ein paar Photos und trollte mich wieder.
À propos Fira sei noch erwähnt, dass der ursprünglich in Berlin gestartete, gleichfalls als Trendmesse konzipierte Salon Bread & Butter künftig nur noch in Barcelona stattfindet, nächstmals im Januar. Wir wollen hoffen, es gehe dabei etwas weniger betulich zu.
Garantiert die Nadelstreifenhölle los ist dann im Februar beim Weltkongress der Mobiltelephonie, 3GSM genannt, den Barcelona Cannes entrissen hat und zu dem 60'000 Besucher aus 190 Ländern erwartet werden. Für die betreffende Woche ist die Stadt bereits jetzt ausgebucht, bei Verdoppelung der Hotelpreise (im Arts z.B.: an die 600 Euro).
Und nun geht’s endlich weiter zu einer wirklich mondänen, galanten Veranstaltung, der Fragonard-Ausstellung im CaixaForum. Links ein Ausschnitt aus Le combat de Minerve contre Mars (um 1780), rechts ein Detail des berühmten Billet doux (ca. 1778).
 2006-09-23
Richard Hamilton 1975 in Cadaqués vor seinem Richard-Schild, Lanfranco Bombelli 2006 im Macba vor demselben Stück aus seiner Sammlung.
Wer Costa Brava sagt, muss auch Cadaqués sagen; aber nicht unbedingt Dalí. Dabei war es natürlich Dalí, der den Ort legendär gemacht hat. Nicht sosehr weil seine Bilder unter dem Einfluss dieser zugleich weichen und scharf konturierten Landschaft entstanden sind, den von der Tramontana leergefegten Gesteinsformationen am Cap de Creus. Vor allem war Cadaqués (wo Dalí schon vor dem Krieg lebte, um sich 1948 im benachbarten Port Lligat niederzulassen) Schauplatz vieler der von ihm so meisterlich inszenierten Eklats, die ihn zum ersten massenmedientauglichen Künstler überhaupt machten: der grosse Histrion, umgeben von andern Promis wie den Dichtern Lorca und Éluard, Gala natürlich und Amanda Lear.
Weniger bekannt ist, dass Cadaqués von einer ganzen Reihe anderer Künstler frequentiert wurde: Picasso und Man Ray zunächst, später John Cage, Richard Hamilton, Dieter Roth, Marcel Broodthaers und vor allem Marcel Duchamp, der seit den frühen 50er Jahren bis zu seinem Tod 1968 jedes Jahr die drei Sommermonate hier verbrachte. Er war es auch, der vermutlich die zuvor Genannten in Cadaqués einführte. Nicht zu vergessen, dass Duchamp, der sich die Zeit an der Costa Brava scheinbar nur mit Schachspielen vertrieb, hier sein letztes Hauptwerk Étant donnés austüftelte...
Kurz nach 1960 liessen sich auch zwei junge Architekten, Lanfranco Bombelli (italienisch-schweizerischer Abstammung, ETH-Absolvent) und sein Partner Peter Harnden hier nieder. Ihr Werk ist weitgehend unbeachtet geblieben. Dabei gehören die von ihnen in und um Cadaqués gebauten Villen – etwa die Casa Fasquelle gleich gegenüber Dalís Haus in Port Lligat – zum Fabelhaftesten, was es an der Küste gibt. (2002 erschien zu einer Ausstellung in Girona im Verlag des COAC Barcelona endlich eine Monographie, El Cadaqués de Peter Harnden i Lanfranco Bombelli, die ich leider nicht zur Hand habe. Im Internet findet sich praktisch keine Information. Dank meinem Freund Xavi Blanquer kann ich aber hier auf einige von ihm angefertigte 360°-Panoramen verlinken – die Casa Fasquelle, eine Attikawohnung über Bombellis Galerie und die Villa Gloria –, die im Netz nicht mehr zugänglich sind.)
Bombellis Partner Harnden starb schon 1973. Noch im selben Jahr eröffnete Bombelli, der sich selbst auch als Maler versuchte – in dieser Disziplin (sein ETH-Background?) ganz der konkreten Kunst verschrieben –, die Galeria Cadaqués. Natürlich war er in dem für die Happy Few wie geschaffenen Kaff bald schon auch mit dem Duchamp-Kreis in Kontakt gekommen. So wurde die Galerie, obwohl nur stunden- bzw. saisonweise geöffnet, zu einer im damaligen Spanien einzigartigen Institution, die Hamilton und Roth ausstellte, aber auch Max Bill oder experimentierfreudige Katalanen wie Muntadas und Miralda.
Nun hat der Kurator Roland Groenenboom für das Museu d’Art Contemporani de Barcelona (Macba) unter dem Titel galería cadaqués eine Auswahl aus der Sammlung Bombelli zusammengestellt. Sie nimmt lediglich einen Saal des Museums ein; die Formate sind klein, viel Interessantes liegt in Vitrinen. Bei der Pressekonferenz wurde angedeutet, die Sammlung werde eventuell als Leihgabe ans Macba übergehen.
Sie würde bestens in dessen Bestände passen. Das zeigte die gleichzeitig eröffnete Präsentation der jüngsten Akquisitionen der Stiftung Macba. Ich habe mir flüchtig nur noch eines der beiden Geschosse angesehen, auf denen sie zusammen mit ausgewählten älteren Beständen einmal mehr aufzeigen, welche Linie das Museum unter der Leitung von Manuel Borja-Villel verfolgt. Schlüsselfiguren sind für ihn Broodthaers, Dieter Roth... und nicht nur, weil sie gern in Cadaqués sömmerten. Unter den neuen Werken stechen hervor: Eugènia Balcells, George Brecht (dessen Werküberblick im Erdgeschoss noch bis am 12. Oktober zu sehen ist), stanley brouwn (kürzlich in einer gleichfalls von Roland Groenenboom kuratierten Ausstellung im Macba zu sehen), James Coleman, und immer wieder Öyvind Fahlström. Zudem hat Cragie Horsfield vierzehn seiner 1996 im Auftrag der (damals von Borja-Villel geleiteten) Fundació Tàpies entstandenen Barceloneser Portraits als Depositum dem Macba überlassen. (Im Bild eines der Pictures For Bipeds, auf denen Roth und Hamilton sich gegenseitig porträtierten.)
An der Pressekonferenz sass der greise Bombelli neben dem Unternehmer Leopoldo Rodés, der die Stiftung Macba umsichtig leitet. In der Mitte aber, und auf ihn waren von Anfang an alle Mikrophone gerichtet, sass Kataloniens conseller de cultura, sprich Kulturminister, Ferrán Mascarell. Diese blitzblanke Figur hat mir auf einmal – ich sehe sonst nicht viele Politiker – das Wesen seines Métiers offenbart. In dem kleinen Saal wurde ohne Lautsprecherverstärkung gesprochen. Man verstand trotzdem alle einigermassen – bis auf Mascarell, der ausschliesslich in die vor ihm aufgebauten Mikrophone nuschelte und für die drei oder vier TV-Kameras geistvolle Blicke über die Tischfläche schweifen liess. Dieser Herr ist offensichtlich in einer andern Welt zu Hause: Man musste jederzeit befürchten, er löse sich gleich in Pixel auf; und dass er nach jeder seiner Interventionen sofort seinen Stuhl ein wenig nach hinten rückte, als möchte er gleich aufbrechen – nun, da seine Sendezeit vorüber war –, erschien wie ein Ausbruchsversuch in die dreidimensionale Wirklichkeit, in der man ihn sich gar nicht vorstellen kann. Ich erzähle das nur, weil ich noch nie leibhaftig ein Individuum gesehen habe, das diesen Grad an medialer Abgehobenheit erreicht hat wie der katalanische Kulturminister.
 Mascarell (welch trefflicher Name: das Mäskchen?) hätte sich übrigens gar nicht ins Macba bemüht, wäre es bloss um die Sammlung Bombelli oder die Neupräsentation jener des Museums gegangen. Er weihte jedoch zugleich die erste Erweiterung des Museums ein: die Capilla dels Angels, eine schräg gegenüber dem Richard-Meier-Bau liegende Kirche. Die Architekten Clotet-Paricio haben den (schon lange nicht mehr als solchen benützten) Kirchenraum mit spärlichen Eingriffen in einen Ausstellungsraum verwandelt. Im Bild ein kleines Seitenschiff mit Helen Levitts frühem (1952) Asphalt-Documentary In the Street, East Harlem. 2006-09-20 Gleich neben der Ausstellung der Lausanner Designer in Vinçon, nämlich in Gaudís Pedrera, sind zwei weitere Ausstellungen zu sehen: zum einen eine Retrospektive des unlängst 95jährig verstorbenen Ramón Gaya, der die Salonmalerei, ums mal so zu sagen, durchs ganze 20. Jahrhundert in die anmutigsten Sphären gehoben hat; zum anderen eine kleine Schau, die Arnold Schönbergs Aufenthalt in Barcelona vom Oktober 1931 bis Juni 1932 dokumentiert, wo er eine seiner angeschlagenen Gesundheit zuträgliches Klima zu finden hoffte. Das Winter aber war feucht und kalt; trotzdem vollendete er hier den zweiten Akt von Moses und Aaron.
Gestern war Nuria Schönberg Nono, die damals in Barcelona geborene Tochter des Komponisten und Witwe von Luigi Nono, in der Pedrera zu Gast, um zusammen mit dem Pianisten Stefan Litwin eine Art musikalisch-memoristische Soirée zu bestreiten. Ich habe das leider erst nachträglich aus La Vanguardia erfahren, die den Abend in so liebenswürdig altbackenem Ton schildert, dass man gern dabeigewesen wäre. 2006-09-12  Barcelonas klassisches Design-Warenhaus Vinçon zeigt in seinem kleinen Ausstellungssaal noch bis am 7. Oktober Arbeiten der losen Lausanner Gruppierung Inout Designers. Diese jungen Entwerfer wurden vom Mudac, Lausannes Musée de design et d’arts appliqués contemporains, dazu angestiftet, eine Reihe jener Elemente zu entwerfen, die man gemeinhin als urbanes Mobiliar bezeichnet. Nun sind Strassenlampen (ausser sie stammen von Kippenberger), Fahrradständer, Abfallkübel usw. normalerweise keine besonders witzigen Objekte. Der gemeinsame Nenner der zwölf in der Sala Vinçon gezeigten Entwürfe aber ist eben der Humor. Da präsentiert Axel Jaccard ein Fallrohr, das in einen Trinkbehälter mündet, auf dass hier jeder Strassenköter seinen Durst lösche. Adrien Roveros Veloständer hat die Form eines Autos – zum Beweise, dass auf demselben Raum ein halbes Dutzend Fahrräder Platz finden (in Barcelona wäre es das Dreifache). Für Damien Regamey wird eine kommune Absperrkette, mit Kingsize-Klunkern behängt, zur Zierde der Stadt. Augustin Scott de Martinville kettet ein Dreirad an ein Verkehrsschild, um es zum Spielplatz aufzuwerten. Martino d’Espositos Kanaldeckel Tourbillon nimmt die Form eines Wasserstrudels auf. Emmanuelle Jaques’ Baumschutzgitter baucht sich zu einem Sitzplatz aus. Und Alexandre Gaillard ersetzt das schlichte Nadelbett, mit dem Tauben von Simsen und Mauervorsprüngen ferngehalten werden, durch dekorative, gleichfalls dornige Stadtsilhouetten – New York, Paris, Lausanne.
Lustig also – wenn nicht ein wenig albern – soll den Lausanner Designern zufolge die Möblierung unserer Städte sein. Man nimmt’s zur Kenntnis und nimmt sich nebenbei vor, gelegentlich die jüngere Entwicklung der barcelonesischen elementos públicos, wie das Strassenmobiliar hier gar feierlich genannt wird, zu überprüfen. Denn Barcelona hatte sich ja lange ganz schön ins Zeug gelegt, um die best gestylten Strassenlampen, Parkingmeter und Sitzbänke, kurz: die schönsten Trottoirs der Welt zu haben. Rechenschaft darüber gab 1997 dieser Artikel.
P.S. - Mein homonymer Jakob Timpe in Berlin hat mir folgende Bemerkungen zu der kurzen Ausstellungsbesprechung geschickt, privat zwar, aber ich stelle sie jetzt trotzdem als Kommentar ins Netz:
Die Sachen wären doch nur dann albern, wenn es ernst gemeinte Produktideen wären. So sind es nur Statements über Standards, die zu ändern gar nicht beabsichtigt wird, und in Barcelona hat schon gleich gar niemand darauf gewartet - da legst di glei ins Nadelbett! Neulich hat sich jemand auf Manhatten gelegt, und da sind doch gleich die zwei längsten Nadeln abgebrochen.
Du unterstellst den Designern (gewiss sehr verhalten) eine Absicht, die sie nicht haben (nämlich, die Welt mit solchen gar lustigen Dingen zu verbessern), und das ist polemisch, und natürlich legitim, weil du eben ihre Arbeiten nicht schätzest.2006-07-07 Wenn in Madrid, kann man auch noch in den Retiro spazieren und sich von Kimsoojas Lichtspielen im Palacio de Cristal berücken lassen.

Ich war kurz in Madrid, um eine der fabelhaftesten Ausstellungen des Jahres zu sehen: Gordon Matta-Clark (1943-1978) im Museo Reina Sofía (bis 16. Oktober). Neben den Filmen seiner verschiedenen Zerfräsungen von Häusern – aber auch seines Restaurants in SoHo und der zum Leinwandepos gestalteten Verschrottung seines eigenen Pick-up-Trucks – sind zahlreiche Papierarbeiten Matta-Clarks zu sehen: Photos (darunter erstmals seine Anarchitectures), Zeichnungen und die grossartigen Cuttings. Hier im Bild zwei photographische Dokumente der vielleicht vollkommensten Intervention des ausgebildeten Architekten: Conical Intersect (1975) an einem Altbau unmittelbar neben der Baustelle des Centre Pompidou. Und wie immer kommt zuletzt – Matta-Clarks Filmbösewicht – der Abrissbagger.
 Eine bravere, dauerhaftere Art von Cuttings konnte man beim anschliessend vom Museum spendierten Lunch auf der Dachterrasse des Erweiterungsbaus betrachten: Jean Nouvels spiegelnde, durchlöcherte Plaza-Überdachung.
2006-06-15
Pedro Azara ist der Mann, der in Barcelona eigentlich seit Jahren die schönsten Austellungen macht. Jede seiner Installationen ist ein Kunstwerk für sich – aber nicht in der Art jener überkandidelten Shows, in denen die Ausstellungsarchitektur die Exponate erschlägt oder zur Nebensache degradiert; sondern ein ums andere Mal sind es wunderbar gestaltete Parcours durch ein ebenso wunderbares bildnerisches Thema. Das fing einst an mit den Casas del alma, den «Seelenhäusern», Begräbnisstätten des Altertums von Mesopotamien bis Rom, und setzte sich über zahlreiche exquisite, stets mit erstrangigen Werken bestückte Ausstellungen fort. Nun ist Azara ganz in der Gegenwart angelangt und präsentiert im Ausstellungssaal des COAC, des katalanischen Architektenverbands, noch bis am 7. September ¡HOGAR! (sp. für HEIM: die gute Stube), wobei die Grafik keinen Zweifel daran lässt, dass es um die berühmte Regenbogenpostille ¡HOLA! und – so der Untertitel – das von ihr verbreitete Bild der Architektur geht. («El imaginario arquitectonico en la revista ¡HOLA!»)
Azara ist Ästhetikprofessor an der Architekturschule Barcelona. Unter seinen Buchveröffentlichungen ist der Essay «Das Hässliche in der Kunst» zentral. Diese kleine und (sehr im Gegensatz zu seinen andern Arbeiten als Kurator) ganz ohne erstrangige Kunstwerke auskommende Ausstellung ist einmal mehr für sich ein Kunstwerk – dessen Material diesmal zwangsläufig das Hässliche ist: die Prunkhäuser und -wohnungen der Promis, Traumbilder des Wohnens jenseits aller Designzeitschriften und Architekturbeilagen. Der Besucher wird – Azara Style – in ein goldenes Gehäuse geschleust, dessen Inneres ein vielschichtiges, teils durchlässiges, teils spiegelndes Projektionskabinett ist, in dem sich die Bilder und dazugehörigen Aussagen («unser Heim: ein Stück Himmel») in sumptuoser Folge abwechseln. Der Katalog zur Ausstellung ist selbst wie ein kleines ¡HOLA! gestaltet, enthält Essays von Azara, Bet Cantallops und María Teresa Tapada und kostet 3 Euro. Auf der Titelseite posiert der Stierkämpfer Jesulín de Ubrique vor seinem gasbetriebenen, mit dem erfundenen Familienwappen dekorierten Cheminée. |