Bread & Butter schmiert Barcelonas Modebranche

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Die Hände, die sich da an der glänzenden Oberfläche festkrallen, gehören einer – verglichen mit den meisten andern anwesenden Damen kleinwüchsigen – Putzfrau, wie sich einen Moment später (links) herausstellte: Blonde on Blonde. Solche Bilder sah man an der Modemesse Bread & Butter, über die ich vor einem Jahr bloss kurz gemeckert habe. Diesmal habe ich mich hinbegeben.

An die 800 Aussteller, über 70'000 Besucher in drei Tagen, es war anscheinend (über Geschäftsabschlüsse wissen wir nichts) ein Erfolg. Bread & Butter ist ja eigentlich die Messe, die Berlin zur Modehauptstadt befördern sollte. Sie wird weiterhin von Deutschland aus organisiert, nun aber zur Hauptsache in Barcelona abgehalten: weil man die Leute (Aussteller wie Kunden) leichter hierher kriegt. Ausserdem sind die Hallen im Gegensatz zu Berlin gross genug, obwohl man sich vorläufig auf die alte Fira (Montjuïc 1) beschränkt; die teils schon bestehenden Hallen von Montjuïc 2 werden nicht gebraucht.

Ich bin ja nun nicht gerade ein gewohnheitsmässiger Messgänger (wenn, dann eher nach katholischen Ritus). Selbst Kunstmessen – gerade Kunstmessen! – scheue ich wie die Pest. Das mag der Grund sein, weshalb ich dem Ausstellungsgut, nämlich den Klamotten, hier überhaupt keine Beachtung schenkte, sondern zunächst mal feststellte: Diese alten Messehallen, die ich bisher fast nur als Flankierung der pathetischen Achse Plaza de España-Palacio Nacional kannte (Weltausstellung 1929), sind im Innern eigentlich sehr ansehnliche Bauten.

Nun könnte man sich des Langen und Breiten über die Ausstellungsarchitekturen auslassen. Nur soviel: mir schien, die selbstbewussten Firmen, die sich (was natürlich auch kostspieliger ist, daher betrifft es vor allem grosse Marken wie G-Star, Custo usw.) vollkommen abschotten und einen eigenen Zirkus aufbauen, in den man wie in ein Theater eintritt, seien verglichen mit den gegenüber den Zirkulationswegen hin offenen Ständen ungleich erfolgreicher. Alles drängt da rein, während man an den offenen, von einsamen Schönheiten bewachten Auslagen bloss schüchtern vorbeiwandelt.




Es könnte sein – ich bin nicht vom Fach –, dass Bread & Butter den drohenden Untergang Barcelonas als Modestadt abwendet. Die mittlerweile ziemlich potente, aber weiterhin unter Profilierungsnot leidende spanische Modeindustrie rangelt seit langem darum, ob nun Madrid oder Barcelona als ihre Hauptstadt gelten dürfe, und obwohl sowohl geschichtlich wie vom derzeitigen Image her alles für die katalanische Kapitale («katalanische Kapitale»: das zweite Kakanien?) spricht, schien Madrid das Rennen zu machen.

Die Überreste der barcelonsischen Fashion Week fanden gleichfalls diese Woche statt und wurden durch die der Messe wegen in der Stadt anwesenden Massen von Modemenschen natürlich aufgewertet. Die Headlines eroberte wieder einmal der Doyen der lokalen Szene, Antonio Miró, indem er in den alten Werfthallen eine Reihe schwarzafrikanischer Sans-Papiers auf den Laufsteg schickte. Im Publikum anwesend war auch Barças lange verletzter kamerunesischer Stürmerstar Eto’o, über den demnächst hoffentlich wieder in der Rubrik Barça! Barça!! Barça!!! zu berichten ist.

Hier aber noch einige weitere an Bread & Butter geschossene Bilder:



Während in Deutschland Kyrill wütete, konnten die zwischen Barcelonas Messehallen sich ergehenden Gäste aus dem Norden ihre muskulösen Arme und Bäuche frohgemut entblössen. Allerdings soll der Winter nächste Woche nun doch auch hier noch seine Aufwartung machen.







Nachts hielt ich mich von all den Parties, die da auch noch gefeiert wurden, fern und studierte dafür brav die 900 Seiten starke Markenbibel oder Brand Bible, die den Besuchern der Messe ausgehändigt worden war.






Post-Weihnachts-Post (Sittenverwilderung V)

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In Spanien ist Murphys Gesetz – ungefähr: «Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen» – längst in die Alltagssprache eingegangen: «Es la ley de Murphy» (sprich Murfi), murmelt achselzuckend so ziemlich jeder Spanier, wenn mal wieder der schlimmstmögliche Fall eintritt. Auch mir kam das Wort über die Lippen, als Hochparterre International mit unfehlbarer Präzision kurz vor Weihnachten durch ein Serverproblem ausser Gefecht gesetzt wurde, so dass wir Blogeure Ihnen bis am 8. Januar forbidden blieben. Entschuldigung und Prosit Neujahr, gleichwohl.

Schlimmer, als es nun gekommen ist, hätte es übrigens auch für La Paloma nicht kommen können: die behördliche Drohung, den fabelhaften Ballsaal wegen Lärmbelästigung zu schliessen, wurde nach der Silvesterparty (im Bild) wahr gemacht. Das muss man sich mal vorstellen: 103 Jahre lang haben sich hier Barcelonas Nachtschwärmer vergnügt, und nun reichte das Gebelfer einiger (teils wohl neu zugezogener) Nachbarn, um ihnen den Garaus zu machen. Ist nicht vielleicht, kann man sich fragen, solch intolerantes Genörgel die wahre Sittenverwilderung?

Es sei allerdings nicht verschwiegen, dass La Paloma sich in den letzten fünfzehn Jahren stark gewandelt hat. Zwar spielt am frühen Abend (das heisst bis circa um halb zwei) weiterhin eine klassische Tanzkapelle für ein gemischtes und vorwiegend älteres Publikum auf: mehr oder weniger stilsichere Galans, mitgerissene Damen. Anschliessend aber übernehmen die DJs das Kommando, und dann kann es im Innern der Riesenmuschel, erst recht aber draussen in der schmalen Calle del Tigre, schon ein bisschen lärmiger, auch ungesitteter als früher zugehen.

Im Grunde geht es bei der ganzen Affäre wohl nur darum, wieviel die Stadt zur Schalldämmung des Saals beisteuert (obwohl der Strassenlärm sicher mehr Anwohner in Mitleidenschaft zieht). Was ich mir nicht – und was sich in Barcelona eigentlich niemand – vorstellen kann, ist, dass La Paloma auf immer geschlossen bleibt. Jede Wette, in einigen Wochen oder Monaten schiebt man nachts um drei wieder den winzigen Samtvorhang beiseite, der sich im Entrée auf diese Halluzination von einem Saal öffnet.

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Der Paseo de Gracia, die Prachtstrasse par excellence, blieb dieses Jahr ohne Weihnachtsbeleuchtung. Niemand scheint sich darüber aufgehalten zu haben. Während Madrid nun sogar Weihnachtsfeuerwerke veranstaltet, reduziert Barcelona seit zehn Jahren kontinuierlich seinen öffentlichen Weihnachtsschmuck. In Zahlen: der dafür aufgewendete Stromkonsum wurde von 185'000 Euro (1996) auf 47'000 Euro (2006) gesenkt. Die schönen, an den Ramblas baumelnden gelben Ballons; blau leuchtende Schnüre über einigen Einkaufsstrassen sowie einige Überreste traditioneller Motive – das war’s schon. Am Heiligen Abend waren einige der gelben Ballonlampen geplatzt und hingen wie schrumplige Präservative über der Promenade. Es ist also doch noch Hoffnung für diese Stadt. Wenigstens beim Weihnachtsschmuck hat sie den Weg der Vernunft eingeschlagen.

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Jahrelang war die Weihnachtskrippe an der Plaça Sant Jaume eine Spielwiese der Designer. Sah man Ende November den Aufbau in Gang kommen, war man jeweils gespannt, was sie sich wohl wieder hatten einfallen lassen. Oft waren es begehbare kleine Kunstlandschaften. Ob ein Christkind aus Plexiglas oder die Photosilhouetten pakistanischer Butangas-Austräger als Hirten: sosehr hatte man sich daran gewöhnt, hier ein modernes, oft auch gärtnerisch interessantes Belén anzutreffen, dass man diesmal richtig geschockt war. Denn erstmals seit wohl zwanzig Jahren war die Installation dem «offiziellen» Krippenverein anvertraut worden, und der stellte denn auch ein furchtbar konventionelles, todlangweiliges Gebilde auf den Platz. Skandal! Über die Installationen der Designer konnte man immerhin geteilter Meinung sein. Hätte der Krippenverein, frage ich mich, nicht die Chance gehabt, deren Kaprizen durch eine wirklich schöne konventionelle Darstellung ad absurdum zu führen? Er hat sie nicht genutzt.

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99 Prozent der Spanier verbringen den Jahreswechsel vor dem Fernseher, um zu jedem der zwölf von der Puerta del Sol in Madrid übertragenen Glockenschläge eine (angeblich Glück und Segen bringende) Weintraube in sich hineinzustopfen. So will es die furchtbare Tradition. Barcelona bot diesen Silvester eine wunderbare Alternative. Wir sahen uns die Première, ohne an Weintrauben zu ersticken, von unserer - ehem - Terrasse aus an:

Can Ricart, die Okupa-Bewegung und der neue Alcalde

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Anders als es dieser Eintrag vorhersehen liess, ist in Can Ricart keine Ruhe eingekehrt. Ende November wurde das grosse alte Fabrikgeviert von einer Zirkusartistengruppe namens La Makabra besetzt, die kurz zuvor aus einem andern Industriebau im Pueblo Nuevo vertrieben worden war. Die für den Totalerhalt von Can Ricart kämpfenden Gruppen geben trotz der erreichten Kompromisslösung nicht auf, und es fehlt ihnen nicht an Argumenten. Denn zweifellos ist das Ensemble als Ganzes ein Industriedenkmal ersten Ranges und als solches schützenswert. Trotzdem hat die Stadtregierung bereits wieder die (friedlich verlaufene) Räumung angeordnet, und es sieht danach aus, als stünden erste Abrisse nun kurz bevor.

Der neue Bürgermeister Jordi Hereu – seine unvermittelt erfolgte Ernennung wurde in diesem Posting erwähnt – hat sich dabei trotz seinem pummeligen Schmunzelgesicht als Hardliner geoutet. Als vom Himmel gefallener Stadtvater muss er sich vor der Bürgerschaft ja erstmal profilieren, bevor er sich nächsten Frühling den Wahlen stellt. Heute lag dieser Prospekt, mit dem die Sozialisten seinen schwachen Bekanntheitsgrad zu erhöhen versuchen, in sämtlichen Briefkästen der Stadt.


Vor einer Woche, kurz nach der Ausbootung der Squatter aus Can Ricart, präsentierte Hereu im Mercat del Born seine «Kulturstrategie» (Plan Estratégico de Cultura) für Barcelona. Als der Opern- und Theaterregisseur Calixto Bieito (Bildmitte) - weiteres hier - das Wort ergriff, stürmten vier splitternackte Mitglieder von La Makabra die Bühne; für den skandalerprobten Regisseur nicht gerade ein ungewohnter Anblick, doch konnte er seine Ausführungen nicht beenden, während sich der Bürgermeister, wie oben zu sehen, mit einem blöden Grinsen aus der Affäre zog, an das wir uns nun wohl zu gewöhnen haben. Über Barcelonas «strategischen Kulturplan», der doch eigentlich im Zentrum des Anlasses stand, war aus der Presse so gut wie nichts zu erfahren.

Die von den Medien aufmerksam verfolgten Vorgänge um Can Ricart haben die Besetzerszene, hier Okupas genannt, generell wieder ins Rampenlicht gerückt. So wurde publik, dass es in Barcelona dieses Jahr zu nicht weniger als 150 Räumungen besetzter Häuser kam, mehrheitlich ohne Anteilnahme der Öffentlichkeit. Da die Okupas aber nach dem Motto handeln, für jedes geräumte Haus sei ein neues zu besetzen, wird deren Zahl nach wie vor auf etwa 200 geschätzt, 300 gar, wenn man die Vorstädte dazurechnet. Diesen Zahlen steht freilich ein Leerwohnungsbestand von 70'000 (laut dem Einwohnerregister) oder doch mindestens 20'000 (gemäss urbanan Feldforschungen) gegenüber. Gracia und Sants sind die bevorzugten Distrikte der Okupa-Bewegung.

Die Bilder zu diesem Beitrag sind schon einige Jahre alt; sie entstanden im Park Güell.

Bei anderer Gelegenheit ist auf das Wohnungsproblem in einem erweiterten Kontext zurückzukommen – unter anderem auf das Paradox des hohen Leerwohnungsbestands und den im untenstehenden Eintrag angedeuteten Rekorden der spanischen Bauindustrie, die dieses Jahr erneut über 800'000 neue Wohnungen zu immer horrenderen Preisen auf den Markt geworfen hat.

Auf dem Weg zu den Gated Communities

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Noch ein bisschen weiter in den Zeitungen er letzten Wochen geblättert. Dieser Tage erhitzte ein Verbrechen die Gemüter, das manche gar nicht als solches erachten. Der barcelonesische Juwelier Tous – dessen Schmuck sich in über dreissig Ländern verkauft – hat es, wie es in der Natur seines Geschäfts liegt, schon oft mit Räubern zu tun bekommen. Neuerdings nun auch in seiner mit unzähligen Kameras gespickten Privatvilla. Anscheinend war gerade niemand von der Familie anwesend. Für die Überwachung des Hauses ist eine Firma verantwortlich, die vom Freund einer seiner Töchter geleitet wird. Als dieser via CCTV das Eindringen der Missetäter bemerkte, machte er sich umgehend persönlich in die Villa auf. Wenig später lag einer der beiden aus Kosovo stammenden Einbrecher mit einem Kopfschuss tot auf dem Asphalt vor dem Haus. Die ballistischen Untersuchungen ergaben eine Feuerdistanz von maximal einem Meter. Das Opfer wie sein Kumpan waren unbewaffnet.

Natürlich wurde der Scharfschütze und Juweliersschwiegersohn in spe festgenommen, nur schon weil das Delikt ausserhalb des Gevierts stattgefunden hatte, dessen Überwachung ihm oblag. Er wird sich vor Gericht zu verantworten haben. Freilich gibt es Leute – Meinungsumfragen zufolge eine Minderheit –, die dies für eine Ungerechtigkeit halten. Das Unwesen der gewöhnlich osteuropäischen Einbrecherbanden, die ihre Freveltaten in den abgelegenen Siedlungen der Reichen begehen, hatte ja schon vor einigen Monaten eine kleine Hysterie ausgelöst. Trotzdem hat sich die entsprechende andere Seuche – die der gated communities nämlich – in Barcelona im Gegensatz zu Madrid noch kaum verbreitet. Was sich indessen allmählich ändern dürfte, zumal inzwischen bereits bei zwei weiteren Einbrüchen ein Kleinkind entführt und ein Hausbesitzer krankenhausreif geschlagen wurden.

Ergänzung zum Elektroziegel

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Der neueste Witz zum spanischen Bauboom: Welch ein Anachronismus, dass einige Truppeneinheiten immer noch grün-bräunliche Tarnuniformen tragen. Um mit der Landschaft verwechselt zu werden, müssten sie ziegelrot ins Feld ziehen.

Und jetzt im Ernst. Ich fasse die Argumente eines Anfang Oktober in El País erschienenen Kommentars von Enrique Gil Calvo zusammen. Es geht um das hier bereits angeschnittene Thema der spanischen Bauunternehmen, die nun um die Energiekonzerne des Landes mitpokern. Gil Calvo hebt erst einmal mahnend den Zeigefinger gegen jene, die jubelnd die Börsen-Höhenflüge der werbenden wie der umworbenen Unternehmen beobachten. Reine Spekulationswirtschaft: durch die Immobilienblase reich gewordenen Bauunternehmen buhlen um Energiekonzerne, die ihrerseits praktisch nichts produzieren, sondern bloss Gas und Strom importieren. Spaniens Energieabhängigkeit gehört zu den höchsten Europas.

Und dann der schreckliche Verdacht: Warum gerade jetzt? Vielleicht deshalb, weil die Immobilienblase kurz vor dem Platzen steht? Und man sich nun beeilt, das sinkende Schiff zu verlassen, um die fetten Profite im Energiesektor unterzubringen? Nicht der Ziegel wird demnach elektrifiziert, sondern eine neue Spekulationsspirale in Gang gesetzt, die noch irrere Gewinne verspricht. «Rette sich, wer kann», schliesst Gil Calvo seinen Text, da der Staat offenbar nicht in der Lage sei, die spekulativen Geldströme zu steuern, die ungehemmt das Land verheeren.

Sitges, Salt, Sonar

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Ergänzung zur Notiz über den herbstlichen Festivalreigen: Bereits gelaufen ist das Filmfestival Sitges. Der deutsche Film Requiem holte den ersten Preis dieser auf den phantastischen Film spezialisierten Festspiele.

Gleichfalls off Barcelona läuft die Temporada Alta, nämlich in Girona und der gironesischen Vorstadt Salt. Ein charmanter Ort, auf dessen Strassen man praktisch nur noch Schwarze, Araber und Osteuropäer sieht. Das Programm ist hervorragend, sowohl was die Musik und mehr noch was das Theater betrifft, mit Namen wie Matthew Herbert, Pascal Comelade, Agnès Jaoui, Peter Brook, Mark Ravenhill, Calixto Bieito, Ubu Compagnie de Création, Jan Fabre, Krystian Lupa usw.

Das schon klassische, jeweils im Juni stattfindende Sonar seinerseits expandiert mit seiner Marke immer weiter. Nach Buenos Aires, São Paulo, London und Hamburg haben jetzt auch Tokio und Seoul ihr Sonar.

ArtFutura, Kosmopolis und jede Menge Musik

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Es ist wieder Hochzeit für Festivals, einige davon mit erlesenen Programmen. ArtFutura geht vom 26.-29. Oktober bereits in seine 17. Ausgabe. Eine Woche zuvor findet zum dritten Mal das «Literaturfest» Kosmopolis statt, heuer mit russischem Akzent.

Dann natürlich der musikalische Herbst. Seit dem 5. Oktober läuft das LEM für Experimentalmusik, heute beginnt das Programm von Músiques del Món. Und ab dem 28. Oktober geht zum 38. Mal das Festival de Jazz de Barcelona über verschiedene Bühnen. Sollte ich etwas Wichtiges vergessen haben, gibt's ja Nachträge.

Clickair hebt ab – auch nach Zürich

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Wie in diesem Beitrag kurz berichtet, ist der Flughafen Barcelona bei Iberia trotz dem rasanten Wachstum seiner Passagierzahlen in Ungnade gefallen. Um die krasse Reduzierung der angeflogenen Destinationen zu kompensieren, versprach Iberia, künftig bis zu fünfzig Städte mit einer eigens zu gründenden Billig-Airline anzufliegen. Am 1. Oktober hat sie nun den Betrieb aufgenommen. Sie heisst nicht Catair, wie zunächst geplant, sondern Clickair. Zu den ersten Destinationen gehören Zürich und Genf.

Die Elektrifizierung des Ziegels

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Sag’s weiter: Die Verfassung muss umgewidmet werden, damit die Thronnachfolge als Bauzone ausgewiesen wird.


Die spanische Baubranche ist so mächtig geworden, dass sie in den letzten Tagen in das Übernahmegerangel um die spanischen Energiekonzerne eingegriffen hat. Man könnte es auch etwas unfeiner sagen: Die Bauhaie haben sich bei der Zubetonierung Spaniens, angetrieben durch Ströme von ihnen entrichteter Schmiergelder, inzwischen so dumm und dämlich verdient, dass sie mit diesem Geld nun um den Besitz der grossen Energieunternehmen des Landes mitpokern.

Gestern hat Acciona (Nummer 4 unter Spaniens Bauunternehmen) überraschend 10 Prozent der Aktien des Elektrizitäts-, Gas- und Wasserkonzerns Endesa erworben und eine Erhöung des Anteils auf 24,9 Prozent angekündigt. Eine noch grössere Tranche würde ein förmliches Übernahmeangebot erforderlich machen, wie es zuvor der katalanische Erdgaskonzern Gas Natural, später der deutsche Energieriese Eon unterbreitet hatten. Eon reagierte sofort mit einer Erhöhung seines Angebots von 25 auf 35 Euro pro Aktie, deren Börsenwert binnen Stunden annähernd in diese Höhe kletterte. Sollte Eon das Rennen machen, wird für Acciona immerhin ein satter Gewinn herausschauen.

Fast gleichzeitig stieg ein anderer spanischer Baugigant, die vom einstigen Real-Madrid-Präsidenten Florentino Pérez geleitete ACS (Nummer 1 in Spanien, Nummer 2 in Europa), beim baskischen Energieunternehmen Iberdrola ein. ACS ist bereits an der galicischen Unión Fenosa beteiligt, dem kleinsten der spanischen Energiekonzerne. Die Tageszeitung La Vanguardia hat denn auch den «elektrischen Ziegelstein» ausgerufen.

Chinatown Santa Coloma

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Chinesen treten – siehe das Sommerpotpourri – nicht nur als Masseure auf den Plan. Diesen Sommer haben sich auch chinesische Touristen erstmals in rauhen Mengen im Stadtbild bemerkbar gemacht. Und dann natürlich die Immigranten. In ganz Spanien sollen es rund 100'000 sein, konzentriert auf die drei Orte Madrid, Barcelona und die barcelonesische Vorstadt Santa Coloma de Gramanet. Letztere gilt als Spaniens eigentliche Chinatown. Ich habe mich heute dort umgesehen. Endstation der Metrolinie 1, die den trefflichen Namen Fondo trägt. Ein liebenswürdiger Ort. Fein hergerichtete Strassen, Plätze, Pärke – eben das, was den unlängst besuchten neapolitanischen Vorstädten so bitterlich fehlt. Und in diesem Quartier nun also auf einmal ein chinesischer Bevölkerungsanteil, der, den Passanten wie den Geschäften nach zu schliessen, mindestens ein Viertel beträgt. Natürlich gibt es auch andere Immigranten, so dass man – vergleiche die Bilder – chinesische Jungs beim Verspeisen von Kebabs und junge Chinesinnen vor arabischen Phone Centers sieht (die hier Locutorios heissen und deren es in Barcelona mittlerweile einige Hundert, wenn nicht Tausende geben muss).

Santa Coloma. Bevölkerungszahl 1960: 32'590. 1977: 143'232. 2001: 116'220. Seither durch die Immigration wieder zunehmend. Sieht alles fast zu idyllisch aus hier; zumindest sind die Konflikte, die eine so rapide Immigration in der Nachbarschaft zweifellos auslöst, bisher unter der Schwelle geblieben, die sie für die Medien interessant macht. Auch die bislang ansässige Bevölkerung setzt sich ja zum grössten Teil aus Einwanderern zusammen, südspanischen nämlich.

Zurück ins Stadtzentrum. Die Metrolinie 1 führt direkt zur Station Triumf und mithin in Barcelonas traditionelles Textilviertel um die Ronda San Pedro und die Calle Trafalgar. Es ist binnen weniger Jahre in chinesische Hand übergegangen. Dutzende von En-gros-Handlungen, aus deren Beständen seit Jahrzehnten halb Spanien eingekleidet wurde – gleichsam der Überrest der einst so mächtigen katalanischen Textilindustrie – tragen nun chinesische Namen. Chinesen schieben Stapel von mit Klamotten gefüllten Kartons herum, genauso wie in den seit Jahrzehnten mit chinesischen Konfektionsateliers gefüllten Hinterhöfen des 2ème Arrondissement in Paris.

Zuvor hatten Chinesen in Spanien fast ausschliesslich als Speisewirte gewirkt; etwa 4000 Chinarestaurants soll es in dem Land geben. Auch viele der unzähligen Japanrestaurants, die der Nachfrage entsprechend in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen, werden in Wirklichkeit von Chinesen geführt. Der chinesische Unternehmergeist kommt schon darin zum Ausdruck, dass etwa 15'000, d.h. fast jeder sechste der offiziell gemeldeten Immigranten, als selbständiger Unternehmer fungiert.

Ein Grossteil dieser Immigranten stammt übrigens aus ein und derselben Stadt, Qingtian. Über ein Drittel der Bevölkerung dieses einst 570'000 Einwohner zählenden Küstenorts soll emigriert sein, 45'000 von ihnen nach Spanien. Klar ist, dass es sich um eine straff organisierte, in sich abgekapselte, die Bildung urbaner Legenden geradezu herausfordernde Gemeinschaft handelt.

Dass der spanische Bauboom besonders unersättlich neue Arbeitskräfte absorbiert, konnte dieser Community nicht entgehen. Mittlerweile sind denn auch zahlreiche chinesische Bauarbeiter auf den Baustellen in Barcelonas Vorstädten aufgetaucht. Ich war noch nie in China, bloss im damals (1996) gerade noch britischen Hongkong. Dort habe ich über das Höllentempo, mit dem auf chinesischen Baustellen gearbeitet wird, nicht schlecht gestaunt. Barcelonas murcianische und marokkanische, senegalesische und ukrainische Bauarbeiter werden diese neue Konkurrenz vermutlich bald verfluchen.
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