Terminal B – neue Database der Kreativen

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Wer sich als Angehöriger der barcelonesischen Designszene fühlt, dem steht neuerdings das Terminal B zur Verfügung, um sich und seine Arbeit zu präsentieren. Eine internationale Gesellschaft, versteht sich. So haben sich bereits 61 argentinische und 25 mexikanische Kreative hier eingetragen, hingegen erst 7 Schweizer.

Die Campana Brothers – von Sâo Paulo nach Istanbul

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Über Design ist hier kaum je die Rede, aus dem einfachen Grund, weil diese Stadt davon überquillt. Wo anfangen? So schweife ich zwischendurch in die Ferne, zu Entwerfern aus São Paulo und Istanbul, die auch weiterhin von dort aus arbeiten. Vor einigen Tagen hielten die Campana Brothers aus Brasilien im FAD einen Vortrag. Zugegen war auch Massimo Morozzi, Chef von edra, ihrem italienischen Fabrikanten. Präsentiert wurden – im Gegensatz zu den Katalogbildern freilich in jugendfreier Manier – einige neue, an der Dschungelfauna inspirierte und wahrlich bequeme Sofas oder Liegelandschaften.



Sensationell ist auch die Website der brasilianischen Brüder. Sie haben ihre Karriere von Anfang an auf der «Local/global»-Schaukel aufgebaut, die sie umgehend an die mollge Spitze der Designerszene katapultiert hat.

Schon ihr angeblich erster Entwurf, der Vermelha Chair (links), wurde in die Sammlung des New Yorker MoMA aufgenommen. Morozzi erläuterte recht charmant den Unterschied zwischen ihrem (auch seinem) Vorgehen und dem «einer Firma wie, sagen wir, Sony, die dreitausend Designer beschäftigt». Bei den Campana Brothers sei zuerst eine Idee da, deren Ausführung vielleicht eine Menge Probleme stelle. Mit ein bisschen Kopfzerbrechen finde man jedoch immer eine Lösung – «na, fast immer». Bei den Japanern hingegen seien a priori eine Menge Lösungen da; die Probleme stellten sich dann später ein.







Ideen hat sicherlich auch Derin Sariyer in Istanbul, um stilistisch gleichwohl zu ziemlich andern Ergebnissen als die Campana Brothers zu gelangen. Unlängst hat die Firma recdi8 hier im Barrio, in der Gasse mit dem schönen Namen Flor del Lliri, einen Showroom mit Derins Entwürfen eröffnet. So etwa dem Sofa Mass, das indessen eher auf die Sinnlichkeit eines Airports zugeschnitten scheint.

chic&basic Born

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Die Portale der nach 1870 um den Mercado del Borne entstandenen einheitlichen Wohnbauten sind imposant. Hinter einem davon verbirgt sich neuerdings – unscheinbar – eine Herberge, die von allen Hotels den Fashion Hype des Barrios wohl am gerissensten spiegelt: chic&basic. Dazu gehört die fancy White Bar mit ihrem «Discokugel»-Bartresen. Die Zimmer kosten zwischen 90 und 150 Euro – günstig für Barcelona. Die Firma lässt verlauten, dass sie weitere Zwei-, maximal Dreistern-Hotels zu eröffnen gedenkt: das nächste am einst so berüchtigten (und immer noch recht unterweltlichen) Carrer del Arc del Teatre nahe der Ramblas.




Muji, Barcelonas neuer Hirt

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Endlich muss man, wenn man nach London, Paris oder Tokyo fährt, auf der Rückreise seinen Koffer nicht mehr mit all dem Muji-Kram vollstopfen. Gar mancher Überzeugung hat man schon abschwören müssen, aber dass Muji vom Muji-Player über die Badebürste bis zur Pillendose nur die tadellosesten Waren anbietet, an diesem Glauben hält man fest. (Branding meint ja ursprünglich das Brandmal, mit dem man das Vieh auf Lebenszeit kennzeichnet. Im Fall von Muji, das sich als No-Brand versteht, wird das Brenneisen direkt dem Kunden appliziert.)

Seit einigen Wochen kann man all die Herrlichkeiten endlich auch in Barcelona kaufen, an der Rambla Catalunya 81.


Durmibus

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Unter Leitung der Architektin Beth Galí haben Studenten der Universidad Politécnica ein fahrbares Hotel ersonnen und einen in einem städtischen Bus montierten Prototyp davon präsentiert. Der Durmibus erinnert an japanische Kapselhotels. Seine Verwendungsmöglichkeiten sind laut den Entwerfern fast unbeschränkt. Ursprünglich für Obdachlose geplant, könnte er auch Rucksacktouristen aufnehmen (z.B. als Alternative zum Nächtigen auf Flughäfen), er könnte nachtaktiven Menschen bei Musikfestivals usw. als Ruhestätte dienen oder sogar in Notsituationen (Evakuierungen z.B.) zum Einsatz kommen. – Noch ein Grund, das Auto zu Hause zu lassen.

Designerschokolade

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Bei Xocoa hier im Barrio wurden diese Ostern nicht Schokoladehasen verkauft, sondern Fussbälle und Turnschuhe – gleichfalls aus Schokolade. Ich decke mich schon länger bei dieser Firma ein, die Schleckmäuler mit ihren wunderbaren Truffe-Ventalls verführt, aber auch prima Tafelschokolade mit Ingwer, Grüntee, Jamaicapfeffer usw. anbietet. Das Motto der Schokodesigner: Consmuir preferentemente antes de que se acabe.

Es mag überraschen, dass barcelonesische Pâtissiers heute die vielleicht einfallsreichsten Zuckerbäcker der Welt sind – ich sage nicht die besten, aber doch die mit den seltsamsten Hervorbringungen. Einige von ihnen haben denn auch längst Filialen in Madrid eröffnet und exportieren fleissig nach Japan und in die USA: eine ernstliche Konkurrenz für die belgischen und französischen Kakaomaestros – von der verpennten Schweizer Schokoladeindustrie zu schweigen. Hier einige Links: Cacao Sampaka, Chocolat Factory und bubó.

Es gibt im übrigen in Barcelona auch ein Schokolademusuem, das Museu de la Xocolata.

Wie ein Bewohner der Stadt diese «Kakaophilie» erlebt, ist in diesem kurzen Text von Edgardo Dobry nachzulesen.

Kein Wunder, hat auch das Museu d’Art Contemporania (Macba) ein Hauptwerk süsser und verderblicher Kunst erworben, Dieter Roths 1970 entstandenes «Schokoladenmeer», von dem ich leider kein Bild aufzutreiben vermag.

Dienstleistung

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In den letzten Jahren sind in Barcelona und Umgebung neue Hotels sonderzahl eröffnet worden. Und obwohl Jahr für Jahr mehrere Tausend neue Betten hinzukommen, liegt die durchschnittliche Auslastung immer noch bei nahezu 80 Prozent. Rechtzeitig reservieren also, vor allem jetzt, da die Reisesaison anfängt. Wenn noch die Bau- oder Lebensmittelmesse hinzukommt, können die Preise selbst für Dreistern-Hotels auf 200 bis 300 Euro klettern.

Etliche dieser neuen Häuser sind ziemlich gut gestylt – hier einige Links:das Grand Hotel Central; das Neri am mysteriösesten aller Altstadtplätze; und - vermutlich das Summum aller Verwöhnung -: die Casa Fuster. Hier der Ausblick auf den Paseo de Gracia:



Wohlfeiler und mit industriellem Touch mitten im Eixample: Granados 83 sowie das Hotel B.

Auch die für ihre Schlarpen bekannte Firma Camper hat ihr erstes Hotel eröffnet: Casa Camper.

Schon nicht mehr brandneu, aber immer noch empfehlenswert: die Banys Orientals; das AC Diplomatic; das Omm. Und, um vom Tibidabo aus den Überblick über die Stadt zu bewahren: La Florida.

Im Bau ist jetzt auch das 120 Meter hohe Hotel Habitat Sky der gleichnamigen Kette, Ecke Diagonal/Pere IV. Der Entwurf stammt, wie auch der des gegenüberliegenden Geschäftshauses, von Dominique Perrault.

Gepriesen sei der Boden

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Spaniens Premio Nacional de Diseño 2006 geht ex aequo an den seit 1967 in Barcelona ansässigen Carlos Redondo (bereits der fünfte Argentinier, der damit ausgezeichnet wird) und an nanimarquina (ihrerseits die erste Frau, die den Designpreis einheimst). Nani Marquina entwirft Teppiche, die sie in Indien herstellen lässt und in 45 Ländern verkauft. Ein Zeichen, dass das Design wieder auf den Teppich kommt? Die schöne und erfolgreiche Geschäftsfrau aus Barcelona ist jedenfalls selbst dem orientalischen Lebensstil zugetan und bemerkte gegenüber La Vanguardia: «Den Menschen zieht es nun einmal auf den Boden. Die westliche Kultur versucht uns diesen Instinkt auszutreiben. Aber wenn wir ein bisschen locker werden, rutschen wir noch so gern vom Sofa auf den Teppich.»

I'm lovin' it

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Den Grupo Tragaluz eine Restaurantkette zu nennen, würde irrige Vorstellungen wecken: jedes Lokal der von Rosa Maria Esteva geleiteten Gruppe hat sein eigenes Konzept, seinen eigenen Stil. Inzwischen sind es rund ein Dutzend über halb Barcelona verstreute Restaurants, und mit dem Hotel Omm kam 2004 auch die erste Luxusherberge hinzu. Was sie verbindet, ist neben der guten, moderat modernen Küche das durchweg hochstehende Design, für das in der Mehrzahl der Lokale zwei weitere Frauen verantwortlich zeichnen: Sandra Tarruella und Isabel López. Mit dem Japonés und insbesondere dem Bestial – direkt am Strand, mit einer wunderbaren Terrasse – sind diesen Entwerferinnen bereits Intérieurs geglückt, die das Zeug zum Designklassiker haben. Das jüngste Lokal aus ihrer Küche sind die Cuines Santa Caterina – zu deutsch eben die «Küche der Santa Caterina». Bei letzterer handelt es sich um den von Enric Miralles und Benedetta Tagliabue entworfenen Um- oder eher Neubau einer grossen Markthalle in der Altstadt von Barcelona. Auf die spektakuläre Holzkonstruktion der Decke des Marktes antwortet das von Tarruella & López gestylte Lokal gleichfalls mit einer Prädominanz von Holz: einer monumental einfachen Regalwand und einigen grossen Tischen, an denen – wie auch an der kleinere Imbisse servierenden Bar – wildfremde Urbanauten zusammenfinden. Die Cuines haben selbstverständlich, wie bisher praktisch alle Lokale des Grupo Tragaluz, Furore gemacht. Die Chefin ist trotzdem besorgt wegen der zu Neujahr in Kraft getretenen Beschränkungen des Rauchens in allen öffentlichen Bereichen Spaniens. «Wer solche Vorschriften erlässt, hat nie ein Geschäft geführt», erklärte sie «El País» gegenüber. «Ein Lokal, das wie das Omm Designpreise gewonnen hat, lässt sich nicht einfach so in eine Raucher- und eine Nichtrauchersphäre teilen. Sechzig Prozent meiner Kunden sind sowieso Raucher.» In der Santa Caterina aber, wie anderswo, kann man sich seit dem 1. Januar nur noch an der Bar eine Zigarette anstecken.




Im übrigen findet man auf dem Weg zu den Toiletten noch ein kleines Exempel von Logokunst:

Aus Schneeflöckchen wird eine afrikanische Edelkastanie

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Kein einziges Design-Posting bisher in diesem Blog - und nun fangen wir launischerweise sozusagen am Ende an, bei der Graburne der barcelonesischen Designer Azuamoliné (www.azuamoline.com). Das urnaBios (www.urnabios.com) genannte Objekt wird von barcelonesischen Strafgefangenen hergestellt, enhält den Samen eines beliebigen Baums (der Friedhof der Zukunft wäre mithin ein Mischwald?) und einer der ersten so bestatteten Erdenbewohner war laut Le Monde
der weisse Gorilla Copito de Nieve oder Schneeflöckchen, der letztes Jahr im Zoo von Barcelona gestorben ist.