Ruiz-Gelis bewohnbares Reptil

[Architektur]

Enric Ruiz-Geli hat in Ampuriabrava (Costa Brava) dieses Gebilde gebaut – ein Einfamilienhaus –, dem derzeit Barcelonas Museu de Ceràmica eine Ausstellung widmet.

Hier der Link auf die 10. spanische Architekturbiennale, die einen Überblick über Dutzende weiterer teils nicht nur bestaunens-, sondern bewundernswerter neuer Bauten im Lande bietet.

Bibliothek und Patio von RCR

[Architektur]

 

Nach zwei Jahren Pause wären natürlich eine Unzahl neuer Bauten nachzutragen. Einer, der gut an den vorhergehenden Eintrag anschließt, ist die Quartierbibliothek von RCR Aranda Pigem Vilalta in der Nähe des Mercado de San Antonio, zumal auch hier der Patio eines Cerdá-Blocks in das Projekt einbezogen und öffentlich zugänglich gemacht wurde. Im übrigen ist es der erste Bau, den die bislang vor allem in der Garrotxa (einer vulkanischen Landschaft am Südfuss der Pyrenäen) tätigen Architekten in Barcelona realisieren konnten.

In der Fassadenfront der Calle Borrell hebt sich der Bau durch seine vertikalen, schwarz lackierten Stahllamellen ab, mehr noch aber durch die im selben Material schimmernde Passage, die sich auf den Innenhof öffnet. Schwarzstählern sind auch die Treppen, die Lesertribüne im obersten Geschoss und Teile des Mobiliars im Innern. Das in den Patio sich erstreckende Erdgeschoß nimmt ein Altenzentrum auf, die Bibliothek verteilt sich über vier durch raffiniert angeordnete Durchblicke miteinander kommunizierende Geschoße.

 

  

Fuses-Viader gewinnen den Wettbewerb für den Palais de Justice in Paris

[Architektur]
Die coolen Provinzler, wie sie hier genannt wurden, sind in Paris angekommen. Fuses-Viader haben – ex aequo mit 3 Box und Fernando Donis – den Ideenwettbewerb für den neuen Palais de Justice gewonnen, das Pariser Pendant zu Barcelonas Ciudad de la Justicia. Paris, du hast es besser! Denn man möchte vermuten, der Entwurf der Katalanen werde sich letztlich auch gegen die zeremoniell schwebende Scheibe des Holländers Donis und die kluge Komposition der unter dem Namen 3 Box antretenden Franzosen durchsetzen, deren verschachtelter Turmbau sich jedenfalls schwerlich mit dem emblematischen Mittelstück von Fuses-Viader messen kann. (Nicht nur die Sieger-, sondern sämtliche 275 eingereichten Projekte sind hier einzusehen.)

Das Gelände grenzt unmittelbar an die Bibliothèque de France an: Tolbiac, ein Eisenbahner-, ein metallisch widerhallendes und proletarisch verlümmeltes Viertel. Einst. Ein bisschen etwas davon darf ja vielleicht nachklingen... Das herrliche bahnhöfliche Stahlgewölbe von Fuses-Viader entwickelt sich, als wie dessen viertes Schiff, aus dem 1927-1929 von Eugène Freyssinet erbauten Frachthof mit seinem «hauchfeinen» Betongerippe, dessen Erhaltung den Wettbewerbsteilnehmern offenbar freigestellt war, und der nun so etwas wie das Foyer des Justizpalastes bilden soll. Weiteres zu dem Projekt auf der Website der Architekten.

Francesc Mitjans gestorben, der Architekt des Camp Nou

[Architektur]


Er war einer der langlebigsten, aber auch wichtigsten Architekten der Stadt: am 20. November ist Francesc Mitjans im Alter im Alter von 97 Jahren gestorben. Am bekanntesten gemacht hat ihn natürlich der Bau des Barça-Stadions 1954. Von seinen zahlreichen weiteren Entwürfen seien hier nur drei gezeigt: links ein Wohnhaus von 1957 am Carrer Mestre Nicolau, in der Mitte das heute noch höchst mondän wirkende Edificio Seide an der Avenida Sarrià (1958), rechts der an Pontis Pirelli-Hochhaus inspirierte Banco Atlántico (1965) an der Ecke Diagonal/Balmes.


Der Mercat de les Flors von Willy Müller: Lasst Blumen en gros blühen

[Architektur]


Der Blumenmarkt, welch wunderbares Thema. Gemeint sind nicht die Blumenstände an den Ramblas, welche die Passanten trotz ihrer mehrheitlich dürftigen Auslagen – was sowohl auf die Stände wie auf die Passanten zutrifft, hingegen nicht unbedingt auf die Passantinnen – in angenehme ephimere Duftwolken hüllen. Die Rede ist auch nicht von dem 24 Stunden geöffneten Blumenmarkt an der Calle Valencia, wo treulose Ehemänner frühmorgens eine erste Versöhnungsgeste einleiten können. Nein, es geht um Barcelonas Blumengrossmarkt, der nun einen neuen Standort – den dritten bereits – erhalten soll.

Der ursprüngliche Mercat de les Flors an Montjuïc ist heute Teil der Ciutat del Teatre. Es war Peter Brook, der Anfang der 1980er Jahre den leerstehenden Bau als Spielstätte für seinen Mahabarata ausfindig machte und damit den Anstoss für das bis heute Mercat de les Flors genannte städtische Theater gab, zu dem später das Teatre Lliure und das Institut del Teatre kamen: ein ansehnliches, bisweilen mondäne Stimmungen begünstigendes, heute sechs oder sieben Säle umfassendes Zentrum der szenischen Künste.

Aber es sollte ja von Blumen die Rede sein. Aus dem aus den 1920er Jahren stammenden und heute als Theater dienenden Markt zogen die Blumenhändler, wie alle En-Gros-Betriebe, um 1970 in den neuen Grossmarkt der Stadt um: das in der Zona Franca errichtete Mercabarna. Nun ist ihnen auch dieses immense Gelände zu eng geworden, und so soll möglicherweise schon 2007 der neue Blumenmarkt in der Vorstadt Sant Boi bei der künftigen Metrostation Aeropuerto-Mercancías (unweit des Frachtflughafens mithin), eröffnet werden.

Der Entwurf stammt vom Architekten Willy Müller, der nicht etwa Schweizer ist, sondern ein seit 1995 in Barcelona ansässiger Argentinier. Zusammen mit Manuel Gausa und Vicente Guallart gründete er 1998 die Gruppe Metápolis, die seither durch mancherlei avantgardistische Gebärden und Aktivitäten auf sich aufmerksam gemacht hat. Mit seinem Pile Tower ist Müller auch an Guallarts ambitiösestem Projekt beteiligt, der in Valencia geplanten Sociópolis. Sollte sie wirklich gebaut werden, wird hier zweifellos noch davon die Rede sein. Müllers Website erscheint leider zurzeit auf den minimalsten Ausdruck reduziert. Aber das kann sich ändern, und gern erführen wir dort Näheres über seine Projekte in Valencia, in Sant Boi sowie – unter dem Namen Hypercat – auch im jüngst hier besprochenen Hafen von Barcelona.




La Nova Bocana – ein Austauschprojekt Zürich-Barcelona

[Architektur]
So sah der Hafen von Barcelona vor etwa zehn Jahren aus. Unten eine Ansicht der gemäss dem Plan Metropolitano vorgesehenen Erweiterung. Die grossen Aufschüttungen für den Industriehafen (links) sind noch Zukunftsmusik. Immerhin ist die dazu nötige Umleitung der Mündung des Río Llobregat jetzt Wirklichkeit. Bereits gebaut ist auch die Nova Bocana, die die Ausfahrt der kleineren Schiffe aus dem Alten Hafen wesentlich verkürzt, sowie die Klappbrücke auf den dadurch unterbrochenen Hafendamm.




Eine schematische Ansicht der Hafenerweiterung ist hier zu sehen, der ganze Plan Metropolitano hier, eine andere Ansicht der barcelonesischen Grossprojekte hier (weiss ausgezeichnet darin die Nova Bocana, um die es in diesem Beitrag geht). Verlinkt sei weiter auf einen instruktiven Text des Architekten Hans Geilinger über die Geschichte und die Zukunft des Hafens sowie auf diesen Eintrag über den Entwurf von Ricardo Bofill für die neue Hafenausfahrt. Anders als dort von mir behauptet, ist laut Geilinger das allerletzte Wort über Bofills beelendendes Projekt allerdings noch nicht gesprochen.

Der in Barcelona ansässige Zürcher Architekt und Hochschullehrer hat freilich allen Grund zur Skepsis, leitete er doch in den letzten Jahren ein Austauschprojekt zwischen der Hochschule für Technik Zürich (HSZ-T) und der Architekturfakultät La Salle in Barcelona, das eben eine sinnvolle Nutzung dieses Grundstücks – Endpunkt und zentraler Ort zugleich – zum Inhalt hatte. Das Ergebnis ist nun in einer Ausstellung an der Hochschule La Salle zu sehen (Quatre Camins, 30). Gleichzeitig ist eine Dokumentation dazu erschienen, zu bestellen bei geilinger@hsz-t.ch, T/F (+41) 43 268 25 37.




Hier noch ein Blick auf einige Entwürfe der teilnehmenden Studenten. Andreas Hersche hat entlang dem äusseren Hafendamm den oben zu sehenden Buena Vista Social Club projektiert – Näheres dazu hier.


Adriana Laines Vorschlag für die Nordwestkante des zur Nova Bocana gehörenden Hafenbeckens baut auf der Ästhetik von Schiffscontainern auf, die zu spannenden Innen- und Aussenräumen gefügt werden.









Raphael Roll stellt dem rechtwinklig strukturierten Keil der Barceloneta einen zweiten Keil gegenüber, der die engmaschige Unregelmässigkeit der Altstadt evoziert – hier seine Planstudien.







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Die Nordsee an den Moll de Pescadors scheinen Marc Schulz, Sven Strässle und Livio Weber mit diesem von den Dozenten Prof. Hans Geilinger und Ruedi Moder begleiteten Projekt verpflanzen zu wollen.








Und Raul Mera schlägt einen hochverdichteten multifunktionalen Gebäudekomplex vor – Näheres dazu hier –, der zum Meer hin schroff abfällt, um diese dramatische Begegnung von Land und Wasser heraufzubeschwören:

Telefónicas neuer Sitz: Diagonal 00

[Architektur]
Barcelonas Turmbauprojekte sind so zahlreich wie die Madrids – vgl. den letzten Eintrag –, aber durchschnittlich nur halb so hoch: sei’s aus Vernunft, aus provinzieller Bescheidenheit oder wegen mangelnder Finanzkraft. Von allem ein bisschen wohl. Jedenfalls sind sie weniger brockig. Das gilt auch für den jüngst präsentierten Entwurf von Enric Massip für Telefónica de España am meerseitigen Ende der Diagonal, zwischen Herzog & de Meurons Edificio Forum und Zaha Hadids künftigem Spiralling Tower. Das Building nennt sich Diagonal 00, dem Standort und der internationalen Telephonvorwahl entsprechend. Der 1960 in Barcelona geborene Massip hatte auf demselben Grundstück zuvor ein gleichfalls 110 Meter hohes Hotel geplant. Dass nun eine Telephongesellschaft hier ihren barcelonesischen Hauptsitz errichtet, dürfte auch dem 22@ neuen Auftrieb geben: unter diesem Namen soll das alte Industrieviertel Poblenou zum Technologiebezirk gepusht werden, bisher mit mässigem Erfolg.

Hier noch zwei Aufnahmen des bisherigen Telefónica-Buildings an der Avenida de Roma, zumindest auch ein eigenwilliger Bau.

Llinás gewinnt den FAD

[Architektur]


Neben dem Premio Mies van der Rohe ist der wichtigste in Barcelona ausgelobte Architekturpreis zweifellos der FAD, verliehen vom Foment de les Arts Decoratives für Bauten auf der ganzen iberischen Halbinsel. Im vergangenen Jahr war Souto de Moura für sein Stadion in Braga der Gewinner. Ganz und gar nicht überraschend geht die Auszeichnung dieses Jahr an Josep Llinás für seine Bibliothek an der Plaça Lesseps in Barcelona. Näheres dazu in diesem Beitrag. - Zu Llinás' sehr heterogener «Ahnenreihe», d.h. seinen Vorbildern und Meistern, gehört übrigens neben Coderch und Alejandro de la Sota auch Josep Jujol, dessen Teatro Metropol in Tarragona er renoviert hat (vgl. den vorletzten Eintrag).



Für ephimere Interventionen wurde der Künstler Antoni Abad ausgezeichnet, der für sein Projekt Canal Accesible bereits den in Linz verliehenen Prix Ars Electronica eingeheimst hat. Hier die überaus lohnende Website. Abad stattete verschiedene Kollektive (Taxifahrer in Mexiko, Prostituierte in Madrid, Behinderte in Barcelona) mit Multimedia-Handies aus, damit sie in Bild und Wort ihre spezifischen Erfahrungen ins Netz stellen können.

Der Preis für Intérieurs ging ex aequo an RCR Aranda Pigem Vilalta für die hier kurz vorgestellten Hotelpavillons in Olot und an Alfredo Arribas für die Ermengildo-Zegna-Headquarters in der Vorstadt Sant Quirze, zu sehen auf seiner Website.

Sonntagsspaziergang zu Jujol

[Architektur]

Man steigt am Paralelo in den 157er und ist in knapp 40 Minuten in Sant Joan Despí. Halbwegs zwischen den proletarischen Blockschaften von Cornellà und den bergan sich verkrümelnden feineren Suburbias, ist Sant Joan die aufregendste aller Vorstädte nicht. Oder gerade doch? Denn hier hat jener Architekt, der den Modernisme und der Gaudí auf die seltsamste Weise fortsetzte, seine Spuren hinterlassen: Josep María Jujol (1879-1949). Auf eine Million Besucher der Gaudí-Häuser kommt ungefähr ein Jujol-Schaulustiger. Man hat ihn also ganz für sich in Sant Joan, wo nicht weniger als acht seiner Bauten stehen; die Casa del Ous (hier links im Bild) gleich beim Bahnhof (schnellere Anfahrt als mit dem Bus). Rechts die Villa Elena seines Zeitgenossen Mas i Morell, weitere Bilder von unserem Sonntagsausflug in dieser Galerie, nähere Informationen auf dieser Site.

Es handelt sich um Privathäuser, meist einstige Sommerresidenzen reicher Barcelonesen, aber auch Jujols eigenes Atelierhaus. Sie sind daher nicht zugänglich, mit Ausnahme von Can Negre, einer von Jujol spektakulär umgebauten Masía, die von der Stadt als Kulturzentrum genutzt wird. Geschlossen war leider die von Jujol ornamentierte Kirche Sant Joan Baptista. Schön ist es trotzdem, durch Sant Joan Despí zu spazieren und für die Rückfahrt die neue Strassenbahn zu nehmen, Trambaix genannt, die die Diagonale bis zur Plaza Francesc Macià nimmt.

Fuses-Viader - die coole Provinz

[Architektur]


Hier mal ein Link auf die Website eines interessanten Teams aus Girona. Fuses-Viader haben in dieser katalanischen Provinz eine ganze Reihe vorzüglicher Bauten geplant. Im Bild eine Bibliothek und eine Fischauktionshalle, beide in Blanes (50 km nördlich von Barcelona, wo die Costa Brava anfängt).
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